Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1669135
Textile Kunst. Stoffe. Wolle.  
Doch fehlt es auch nicht an gemusterten Baumwollengeweben, 
wie z. B. die gerippten Dimitis und die gesteppten und quarrir- 
ten Piques, Pillows, Thiksets u. s. w. Der Stil dieser Stoffe be- 
ruht auf einem Prinzipe, wonach sie gleichsam matratzenartig 
gesteppt erscheinen, mit Vertiefungen auf der Oberfläche, die 
dem Stoffe das Ansehen bedeutender Dicke, Derbheit und Wärme 
geben. Zu grosse Muster, sehr breite Streifen und weite Quar- 
res würden ihren Zweck verfehlen und stilles sein. Dagegen 
sind eingewebte kleine Musehen in weiten Zwischenräumen auf 
den glatten Grund eines feinen Baumwollengewebes vertheilt, so 
dass ein leichtes rcgelmässiges Muster entsteht, ganz dem Stile 
dieser Industrie angemessen. Als älteste Vorbilder dieser Arten 
Stoffe sind die sehr alten Schleier zu nennen, die sich noch hie 
und da in den Reliquiarien finden. Ein sehr zierliches Bei- 
spiel davon gibt Willemin, nämlich den angeblichen Schleier 
der hl. Jungfrau von Chartres. (Siehe unter Seide.) 
Andere Stoffe aus Baumwolle ahmen die haarigen Oberflächen 
der Wollenzeuge oder das künstliche Flies des Seidensammtes 
nach, theils glatt, theils gemustert; dergleichen sind die Velvetins 
und Velverets. Sie haben ihren eigenen Charakter, der sie von 
den ächten Wollen- und Seidenstoäen, denen sie nachgebildet 
sind, unterscheidet. Früher hob man diesen Unterschied frei- 
müthig hervor, und sah sich nur wegen der Wärme und Dauer- 
haftigkeit dieses billigen Stoffes zu dessen Verfertigung veranlasst, 
(die alten Manchesterstoffe, die der englische Arbeiter noch immer 
ganz besonders liebt, haben in ihrer Derbheit und eigenthümlichen 
bräunlich unbestimmten Färbung einen entschiedenen und anspre- 
chenden Typus), jetzt hat sich die Stillosigkeit auch hier eingeschli- 
chen,  man sieht nur noch Baumwollensammte, die den Seiden- 
sammt ersetzen und über das billigere Ersatzmittcl täuschen sollen. 
Wolle ; 
Qualitäten 
FaserstoEes 
dieses 
und 
zweckmässige 
Verwendung, 
Die Wolle, ohne Zweifel der schönste Faserstoß, selbst die 
Seide nicht ausgenommen, ist auch derjenige, dessen Stil der 
reichste und satteste ist. Das feine gekräuselte Haar der Schaafc 
gibt ein weiches lockeres Gewebe, das als schlechtester Wärme- 
Semper. 18
        

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