Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1669111
Kunst. 
Textile 
Stoffe. 
Baumwolle. 
135 
der Verbreitung der Baumwollenkultur in Amerika (wn bgt sie 
übrigens schon vor der Eroberung bei den, kulti  fölkern 
Mexikds und Peru's bekannt war) , und besondlers  iit der 
Erfindung der Spinnmaschinen durch den Engländer:  ieFard 
Arkwright im Jahre 1770, in kolossalen Progressionen zuein- 
men. Sie ist seitdem der Stoff für alle billigen Bekleidu   
und dadurch die grösste Wohlthäterin des Menschen gew s" i , 
ohne zugleich ihr uraltes Ansehen wegen der feinen und kost- 
baren Gewebe, Welche aus ihr gemacht werden, dabei g? ein- 
gebiisst zu haben. " 
Die Baumwollenzeuge als billige Kleiderstoife betrachtet, 
müssen natürlich anders stilisirt sein als die feinen. Niqüs ist 
absurder und desshalb allgemeiner verbreitet als die thörichte 
Nachahmung feiner Stoffe durch Ornamentationen, die nur letzteren 
zukommen. Ordinäre Kattunc dürfen nicht leicht schmutzen, 
müssen daher durchschnittlich dunkler und neutraler (grau oder 
bräunlich oder dergl.) im Haupttone sein, wogegen für feine Luxus- 
stoffe die frischen und hellen Farben besser passen. Doch lässt 
sich der Unterschied zwischen den beiden Stilen (des Luxus- 
steifes und des ordinären) auch auf mancherlei andere Weisen 
fassen. Es war hier nur um ein Beispiel zu thun. 
Es wurde schon oben angedeutet, wie dieser Faserstoff zugleich 
dem Flachse und der Wolle verwandt ist, aber wie er die Eigen- 
schaften beider gewisscrmassen nur nachiidt. Er lässt daher die 
mannichfaltigsten Bchandlungsweiscn zu, wird auch häufig ver- 
mischt mit Flachs, Wolle oder Seide angewandt und dient nicht 
selten zur Verfälschung der letztgenannten Stoffe. 
Die Eigenschaft, welche die Baumwolle von dem Flachse 
unterscheidet, dass sie sich wollenartig kräuselt, während letzterer 
glatt und schlicht bleibt, tritt in den mousselineartigen feinen 
Baumwollengeweben charakteristisch hervor, die gleichsam eine 
moosartig gekrempelte Oberfläche haben, von welcher Eigenthüm- 
lichkeit manche auch den Namen Mousseline (von Mousse) herleiten. 
Andere glauben, dieser Name rühre von der Provinz Mussoli 
oder Mossul in Mesopotamien her. Sicher ist, dass diese Land- 
schaft, der Sitz des alten Assyrischen Reiches, in den frühesten 
Zeiten durch die feinen Baumwollenstoffe, die dort fabricirt wur- 
den, berühmt war. Das feingekräuselte kreppartige Gewebe, 
welches wir Mousseline nennen, ist sehr wahrscheinlich dasselbe,
        

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