Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1668981
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Viertes Hauptstück. 
und wählen dazu vielmehr feuchte und kühle Orte, bcnetzen 
auch im Sommer den Fussboden, um das zu schnelle Trocknen 
und damit verbundene Reissen der Oberflächen zu vermeiden. 
Aus der Trockenstube gelangt das Stück in die Hände eines 
Arbeiters, der es mit Wasser benetzt und es sorgfältig mit einem 
Polirsteine von feinkörnigem Schist (Iiao-Hang-Chi) abschleift. 
Hierauf bekommt es einen zweiten Firniss, und nachdem es 
getrocknet, eine zweite Politur, und diese Operationen wechseln 
so lange miteinander ab, bis die Überiiäche vollkommen eben 
und glänzend ist. Die geringste Zahl solcher Lacküberzüge 
ist 3, die grösste 18. 
Um die Politur zu vollenden, bedient man sich auch einer 
weissen Thonerde, die aus der Provinz Kouang-Tong kommt. 
Zuletzt wird der Gegenstand noch einmal lackirt und dann, 
für den Lackirer fertig, den Händen der Künstler übergeben. 
Die Zeichnungen werden aus freier Hand mit Zinober und 
Pinsel auf die Oberfläche getragen, dann mit einem feinen Stahl- 
stifte umzogen, mit welchem auch alle noch fehlenden Details 
der Umrisse in den Lack eingeritzt werden. Der Zeichner hält 
Pinsel und Stift immer senkrecht und in ganz freier ungestützter 
Hand; die Handfestigkeit und Sicherheit, die er dabei zeigt, ist 
bewundernswürdig. 
Zuweilen wird der Entwurf auch vorher auf dem Papier voll- 
endet und auf den Grund dekalquirt. 
Man umfährt hierauf die Umrisse der Zeichnung mit dem Lack 
Kouang-si oder auch mit einer andern Sorte, die Hoa-kin-tsi ge- 
nannt wird und als Mordente für die Vergoldung dient; man fügt 
ein wenig Kampfer zu dieser Mischung. 
Wenn getrocknet, vergoldet man diese Umrisse mit Muschel- 
gultl, mit Hülfc eines feinen Tupfers. Dieses Muschelgold ist 
eigens zubereitet und mattglänzend. Man bedient sich dazu einer 
Pottascheailflösung in Wasser. Es kostet ungefähr 5 Franken die 
Gramme. Für grünlich-blasses Gold nimmt man solches, das 
mit Silber legirt ist. 
Wenn man Reliefs machen will, legt man eine zweite Lage 
der oben genannten Mordente aber ohne Kampfer auf, vergoldet 
wieder und so fort bis die erwünschte Höhe des Reliefs erreicht 
ist, das also wie bei der Porzellanmalerei allmählig durch den 
Pinsel gewonnen wird und eine Art von Mittelding zwischen
        

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