Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1668966
Das 
ä. 33. 
Lackiren. 
den 
bei 
Lackirprozesse 
Chinesen. 
Der Lack ist eine speziell chinesische kontinuirliche Flächen- 
decke, dem hier noch einige Worte gewidmet sein mögen, da 
sich verschiedene stilistische Bemerkungen daran knüpfen lassen 
und er auch an und für sich hinreichendes kunsttechnologisches 
Interesse hat. 
Der Lack (tsi, zu Kanton auch tsat) ist ein Firniss, der an 
der Luft schwarz und glänzend wie Pcchstein wird, und der in 
China ungemein häufige Anwendung findet, besonders zur Flächen- 
dekoration von Kästchen und Luxusmöbeln. Doch wird er auch 
zu grösseren (architectonischen) Arbeiten benützt; man mag mit 
Recht behaupten, dass dieser Stoff den Stil der gesammten ChinQ_ 
sischen Kunst wesentlich bedingt. Die Chinesen lackiren alles,  
selbst die Stämme ihrer Bäume in den zierlichen Lustgarten ihrer 
Wohnungen. 
Die Operation des Laekirens zerfällt in viele Prozesse, und 
für jeden ist eine besondere Abtheilung von Arbeitern bestimmt, 
die sich nur mit ihm beschäftigen. Zuerst wird das Möbel etc. 
vom Tischler sehr sorgfältig ausgeführt; man schabt es mit einem 
eisernen Schaber glatt und stopft alle Ritzen und Fugen mit feinem 
Werch (ma) auf das genaueste aus. Dann überklebt man diese 
Fugen mit Streifen Papier von der Pllanze Brussonetia und gibt 
der Obcrfiäche einKorn, indem man sie mit seidenem Kanevas 
oder mit fcinkörnigem Papiere überzieht. 
Hierauf gründet man die so vorbereitete körnige Oberfläche 
mit Ochsengalle und schr fein pulverisirtem rothen Steingut, Welche 
Stoffe man mit einem Ebenholzspachtel auf einer mit Rändern ver- 
sehenen Tafcl sehr langsam zusamrnenrührt. Diese Operation 
dauert einen ganzen Tag. _ 
Die Gründung geschieht mit einem breiten und flachen Pinsel 
(ungefähr 15 Centimeter breit) und die Schicht muss ziemlich 
stark sein. Wenn sie trocken ist hat sie eine körnige Oberfläche 
von braunrother Farbe. 
Nun glättet man diesen Ueberzug mit einem Polirsteine von 
rothem Steingute. Damit der Lack nicht eindringe wendet man 
Verschiedene Mittel an; in Japan benützt man zu diesem Zwecke
        

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