Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1668952
Textile Kunst. 
Steife. 
Kautschuk. 
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ein Vorbild für den Menschen in der Bereitung seiner künstlichen 
Decken. Der natürliche Schutz der Organismen besteht entweder 
in einem kontinuirlichen dem Wasser undurchdringlichen und 
auch sonstigen äusseren Einwirkungen einen gewissen Widerstand 
entgegensetzenden Hautsysteme, wie bei den Pflanzen, bei 
vielen Bewohnern der Gewässer, z. B. den Delphinen, Walllischen, 
Aalen u. dgL, auch bei manchen Landthieren und dem Menschen, 
oder er besteht in einem Schuppen systeme, das sich bei vielen 
Pflanzenbildungen so wie bei den meisten Fischen (und zwar bei 
ihnen am cntsehiedensten) ausspricht, das auch dem Gefieder der 
Vögel zum Grunde liegt, und worauf in letzter Instanz auch das 
Pelzwerk der haarigen Thiere zurückgeführt werden muss. 
Bisher hatten wir keinen Stoff gefunden, der für die äussere 
Bedeckung und die Bedachung unserer Häuser nach dem zuerst 
genannten Prinzipe die nöthige Dichtigkeit und Geschmeidigkeit 
böte. Der Mörtelbewurf besitzt zwar viele Eigenschaften, die ihn 
dazu befähigen, ist aber wenigstens für Dachbekleidungen nach 
dem Prinzipe der Flächenkontinuität inlunserem Klima nicht völlig 
genügend. (Von ihm wird im Folgenden geredet werden.) Eben 
so wenig entsprach bis jetzt die Asphaltbekleidung den Erwar- 
tungen, die man in dieser Beziehung von derselben gehegt hatte. 
Von dem Kautschuk und den noch zu erfindenden billigeren 
Ersatzen für ihn, versprechen sich manche auch hier eine Umwäl- 
zung in der Technik des Häuserbauens und in Folge dessen in 
dem Stile der Baukunst, so weit dieser von dem Materiellen ab- 
hängig bleibt, wobei die Irnbrikationen unserer Dächer, ja letz- 
tere selbst, nicht mehr materielle, sondern nur noch historische 
Stilberechtigung behielten. Doch zweilie ich, dass das System 
der Flächenkontinuität bei äusseren Bedaehungen jemals das uralte 
Schuppensystem gänzlich beseitigen werde, da dieses, ausser 
dem Vorrechte der Kunsttradition, auch unbestrittene materielle 
Vorzüge vor dem anderen behält, worunter die Leichtigkeit, wo- 
mit sich Schuppendächer repariren lassen, vor allen zu erwägen 
ist. Da das Schuppendach von Anfang her aus Stücken besteht, 
braucht es nämlich bei Reparaturen nicht geflickt Z u werden, 
wie diess bei kontinuirlichen Decken nothwendig wird.
        

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