Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1668944
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Viertles Hauptstück. 
So bin ich auch durchaus nicht mit den amerikanischen Gummi- 
schuhen einverstanden, deren Oberfläche viel zu glatt gehalten 
ist, wodurch die genuinste Eigenschaft des Federharzes und die- 
jenige die hier neben seiner Undurchdringlichkeit die Wichtigste 
ist, nicht unterstützt, sondern in ihrer Thätigkeit gestört, ja eigent- 
lich gänzlich aufgehoben wird. Eine gewisse Rugosität der künst- 
lichen Harzhaut, wo sie lebendig bewegte Organismen bedecken 
soll, ist durchaus nothwendig. Sie würde auch dem mit Gummi- 
schuhen bewaffneten Fusse die hölzerne Plumpheit in etwas be- 
nehmen, Welche das Tragen derselben jetzt so verdriesslich macht. 
Noch verwerilicher iinde ich die Nachahmung des Seiden- 
sammtes in Gummi. Hier ist es, wo die Fügsamkeit der Materie 
für Reliefbildungen durch Pressen und andere Prozesse benützt 
werden musste, um die an sichitodte, durch kein natürliches Korn 
oder sonst wie gleichsam natürlich dekorirte Oberfläche zu be- 
leben. Da ausser dem Pressen auch noch das Löthen der 
Theile in der Kautschukindustrie so grosse Hülfsquellen des Dar- 
stellens gestattet, so sollen beide Proceduren bei der Flächende- 
koration zusammen wirken, und den Stil ähnlicher Gummidecken 
bestimmen; dagegen soll man sich dabei vor der Nachahmung 
textiler Produkte, wie des Sammtes, hüten, da diese aus ganz 
anderen Proceduren als die genannten hervorgehen. 
Ich habe schon oben den ganz besonderen Reiz, den der ge- 
färbte Kautschuk gewährt, hervorgehoben; dieser Stoff gleicht 
hierin dem kolorirten Stroh, Wachs, Holz, Leder und andern tin- 
girten Stoffen, die eigene Naturtarbe besitzen. Letztere dient als 
gemeinsames Band für die Farben und vereinigt ihre Dissonanzen; 
auch diesen Vortheil, den unser Stoff in höherem Masse bietet 
als irgend ein anderer, soll man nicht unbenützt lassen und 
mittels der Löthung ein anmuthig polychromes, durch flache, ein- 
gepresste Reliefs belebtes System der Flächendekoration erzielen. 
(Vergleiche mit dem Obigen das Kapitel Hyalotechnik in der 
Keramik.) 
Kautschuk 
Deckun g der Häuser 
der 
benützbar. 
zu 
Die Natur hat ihre organischen Bildungen auf zweierlei Arten 
decken gesucht und sie wurde in beiden Deckungssystemen
        

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