Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1668890
Textile Kunst. 
Stoffe. 
Kautschuk. 
113 
Aus diesen speziüschen Eigenschaften des Kautschuk geht nun 
dessen Benutzung und der Stil, der bei letzterer beobachtet wer- 
den muss, hervor; man verwendet ihn nämlich auf dreierlei 
Weisen: 
1) als feste Masse, die in dickeren oder dünneren Platten oder 
auch in kompacten Formen benützt werden; 
2) als biegsamen Faden zu Bändern und Geweben; 
3) als Firniss, der auftrocknet und dann einen festen Ueber- 
zug bildet, dessen Eigenschaften bis ins Unbestimmbare 
variirt werden können. 
Uns soll hier zuerst nur die Verwendung des Kautschuk als 
lederartige Bekleidung beschäftigen, weil die zweite Benutzung in 
das Gebiet der Filatur und Weberei gehört, wovon erst später 
zu sprechen sein wird, die dritte aber mit der Industrie des Lacki- 
rens nahe verwandt ist, der sogleich nach diesem ein Paragraph 
gewidmet werden soll.  
Der rohe Kautschuk wie er importirt wird, enthält eine Menge 
von Unreinigkeiten, die häufig betrügerischerweise beigemischt 
sind. Um die Masse zu reinigen, hat man verschiedene Mittel 
ersonnen, unter denen das Verfahren des Herrn Sievier, ehema- 
ligen Direktors der Joint Stock Coutchouc company at Tottenham 
das zweckmässigste sein soll. Man knetet und masticirt den in 
kleine Stücke geschnittenen rohen Kautschuk in einer Mühle, 
woraus er zu einer kompakten Masse zusammengeballt hervor- 
geht. Dabei entwickelt sich, wegen der inneren Arbeit der Theile so 
grosse Hitze, dass beständig Wasser aufgegossen werden muss, 
welches zugleich die Masse reinigt. Der röthliche ovoide Klumpen, 
der aus dieser ersten Manipulation hervorgeht, wird dann noch ein- 
mal aber trocken geknetet, mit Beifügung von etwas ungelöschtem 
Kalke. Die entwickelte Hitze treibt die Wassertheile aus der Masse 
heraus und macht diese dicht und schwarz. Noch eine dritte und 
eine vierte Operation findet statt, nach ähnlichem Mastications- 
prinzipe, aber unter Entwicklung sehr bedeutender Kräfte; hieraus 
hervorgegangen, ist die lllasse erst homogen genug, um in guss- 
eiserne parallelopipedische und cylindrische Formen gepresst wer- 
den zu können. Die Kuchen, meistens rechteckig, sind etwa 
18 Zoll lang, 9 Zoll breit und 5 Zoll dick; diese schneidet man 
in Scheiben von beliebiger Dicke mittels stellbarer Schneidema- 
Semper. 15
        

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