Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1668881
Der 
Kautschuk 
das 
Factotum 
der Industrie. 
Ein wichtiger Naturstoff hat erst in neuester Zeit auf dem 
ganzen weiten Gebiete der Industrie eine Art von Umwälzung 
hervorgebracht, und zwar vermöge seiner merkwürdigen Gefüg-ig- 
keit, mit welcher er sich zu allen Zwecken hergibt und leiht. Ich 
meine das Gummi elasticum oder den Kautschuk, wie er auf In- 
disch benannt wird, dessen stilistisches Gebiet das weiteste ist, 
was gedacht werden kann, da seine fast unbegrenzte Wirkungs- 
sphäre die Imitation ist. Dieser Stoff ist gleichsam der Affe unter 
den Nutzmaterien. Er wird aus dem milchigen Ptlanzensafte tro- 
pischer Gewächse, in Ostindien von der Ficus elastica, in Java 
von anderen Arten des Feigenbaumes, in Brasilien und Ceiitral- 
Amerika von der Siphonia elastica, im indischen Archipelagus von 
der Urceolaria elastica, einer riesigen Schlingpiianze, gewonnen. 
Seine merkwürdigen Eigenschaften wurden in Europa zuerst durch 
Condarnine bekannt, der 1735 eine Denkschrift, damals erfolglos, 
darüber veröffentlichte. Erst seit etwa 15 Jahren fing dieser Stoff 
an, die Aufmerksamkeit der Industriellen auf sich zu ziehen, nach- 
dem er vorher nur mehr zu Spielereien und als Reinigungsmittel 
des Papiers benutzt worden war, Seine chemischen Eigenschaften 
wurden nun erstuntersucht, die nicht minder Jvichtig sind, als 
seine mechanischen  die bedeutendste darunter sind dessen Unauf- 
löslichkeit und chemische Beständigkeit. Keine Säure afiicirt ihn, 
mit Ausnahme der concentrirten Salpetersäure; auflöslich ist er 
allein in Naphtha und in einigen ätherischen Oelen, wie Lavendel- 
öl, Sassafrasöl u. dergl. In den nicht flüchtigen Oelcn, z. B. in 
dem Leinöl, ist er zwar gleichfalls auflöslich, aber er verliert in 
dieser Verbindung die Eigenschaft des Auftrocknens. Dazu kom- 
men die mechanischen Eigenschaften dieses Stoffes, nämlich dessen 
Elasticität, Tenacität, Dehnbarkeit, Undurchdringlichkeit für YVas- 
ser und für Gasarten, Leichtigkeit, Geschmeidigkeit, Eflläflillngs- 
fahigkeit, Glätte u. s. w. Auch lässt er sich nicht über den na- 
türlichen Grad der Dichtigkeit hinaus verdichten; obschon er 
dem starken Drucke nachgibt, springt er immer wieder in seine 
normale Dichtigkeit zurück, wogegen er sich mit mehr Leichtig- 
keit ausdehnen lässt und in diesem Zustande geneigter ist zu ver- 
harren. Endlich lässt er sich legiren und färben.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.