Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1668853
Kunst. 
Textile 
Die Decke; 
Pelzwerk und Leder. 
109 
Der Corduan hat seinen Namen von der maurischen Stadt 
Cordova in Spanien. Nach ihm sind die Schuster im Französischen 
Cordonniers genannt, denn im Mittelalter, vorzüglich im 11. und 
12. Jahrhundert, war dieses Leder der Stoff, woraus die feineren 
Fussbekleidungen fast ausschliesslich bereitet wurden. Eine bes- 
sere und etwas verschiedene Sorte ist der Safiian, auch marokka- 
nisches Leder genannt. Dieses schöngefärbte und glänzende Leder 
mit dem chagrinartigen Korne wird noch immer in der Levante 
am besten verfertigt; wir können ihm mit unserer raffinirten Ma- 
schinenindustrie nicht nahe kommen. Nur in Russland, Polen, 
Ungarn, Spanien, kurz in den Ländern, wo die Technologie noch 
nicht auf Universitäten gelehrt wird, weiss man diese edlen Leder- 
arten zu bereiten und zugleich stilgerecht zu verwenden. Unter 
den Deutschen verstehen das Letztere nur noch die Tyroler, die 
ihre aus schwarzem Corduan gefertigten Gurte und Hosenträger 
mit Pfauen- und Spielhahnfedern sehr geschickt und geschmack- 
voll zu besticken und zu säumen verstehen. 
Ein interessantes Produkt ist der Chagrin, persisch Sagre, das 
kräftig und hart ist und auf der Narhenseite wie mit kugelartigen 
Körnchen übersät erscheint. Am besten fabricirt man es jetzt in 
Persien, Konstantinopel, Algier und Tripolis. Pallas theilt uns 
die Procedur mit, wie die Narben des Chagrins hervorgebracht 
werden; dieses geschieht, indem man die Haute auf den Fuss- 
boden ausbreitet und mit den Samenkörnern des Chenopodium 
album bestreut, diese dann in das weiche Fell eintritt, sie "wieder 
herausklopft, das Leder dann auf der Grübchenseite beschabt und 
für einige Tage in Wasser legt. Die_Punkte, die durch die Sa- 
menkörner zusammengepresst wurden, treten hernach quellend her- 
vor, und zwar in der Kugelform des Samenkorncs, da das am 
meisten zusammengepresste Pünktchen in der Mitte am meisten 
quellen muss. Ein ganz ähnlicher Prozess liesse sich gewiss sehr 
praktisch an, um Lederrelieftapeten zu fabriciren, die auf diese 
Weise nicht mit Holilformen, sondern mit Reliefformen vorher ge- 
presst und dann geschabt und geweicht werden müssten. Der 
Gewinn dabei wäre eine grössere Weichheit der Umrisse, ver- 
bunden mit feinerer Modellirung, und zugleich eine gewisse 
Naturwüchsigkeit der nicht gar zu mechanisch entstandenen 
Formen. Auch auf Flächen von anderem Stoffe, z. B. Holz, 
Elfenbein, Papier mache u. dergl. lasst sich dieser Process
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.