Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1668841
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Hauptstück. 
Viertes 
schützte Schultern und Brust. Die Prinzessinnen am Hofe Karls 
trugen Mantelkrägen aus Hermelin mit Edelsteinen besetzt. Pelze 
aus Mäuse- und Katzenfellen trugen auch die Skythen und die 
Hunnen. 4 
Bei den Skandinaviern bildete der Pelzhandel die Hauptquelle 
des Nationalreichthums. Die Finnen, das auf Jagd und FiSChfang 
reducirte Urvolk, zahlte den Zins in Pelzen, und ausserdem fand 
an dem Orte und zur Zeit der Zinslieferung ein grosser Jahr- 
markt statt, wo Pelze den Hauptartikel bildeten. Der Pelzhandel 
trieb die Skandinavier zu der Entdeckung Amerikas, wo sie mit 
den Skrälingern einträglichen Pelztausch gegen Tandwerk trieben. 
Zur gewöhnlichen Bekleidung dienten ihnen Lamm- und Gaisfelle; 
Rennthicrfelle galten wenig, dagegen lieferten Fuchs, Katze, 
Marder und Zobel das edlere Pelzwerk.  
Dieser Handel blühte fort bis in das spätere Mittelalter, das 
grossen Luxus mit Pelzen trieb  aber die Jagd der edlen Pelz- 
thiere verzieht sich immer weiter nach Norden, wo letztere auch 
bald ausgerottet sein werden. Dafür versieht Kanada und Neu- 
Schottland vor der Hand den Markt mit wenig geringerer Pelz- 
waare, woraus unsere Kürschner Boas, Muffs, Pelzstiefel und 
schwere Wildschuren fertigen. 
Auch aus dieser Abtheilung der Kleiderbereitungsindustrie ist 
alle Kunst verschwunden und nirgend zeigt sich der Ungeschmack 
in dieser Beziehung grösser als in England, obschon dem einzigen 
Lande, woselbst noch heute derPelz die Würde des Adels, der 
Richter und der Gemeindebehörden auszeichnet und wo dieser 
heraldische Schmuck sich noch in seiner vollen Bedeutung aus 
dem Mittelalter erhalten hat;  die Hermelinschwänzchen auf den 
Kronen und Kragen der Herzoginnen, Marchionessen und Baro- 
nessen sind heutzutage "nur noch ein ziemlich dürftiges und abge- 
kürztes Symbol der antiken Herrlichkeit. 
Die Asiaten waren seit Urzeiten und sind noch immer die ge- 
schicktesten Lederbereiter. Unter diesen asiatischen Produkten, 
die übrigens auch in Spanien, Sicilien und überall gemacht wur- 
den, Wohin die Mauren und die Sarazenen ihre Industrie ver- 
piianzten, sind. der Corduan, Saffian, Chagrin und die Juchten 
vorzüglich berühmt. 
1 Vergl. Justin. III. 29. Amm. Marcell. XXXI. 6. 2. Ueber das Pelzwesen 
der Deutschen im Mittelalter: Weinhold, Deutsche Frß-üßll- S- 426-
        

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