Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1668835
Textile Kunst. 
Die 
Decke; 
Pelzwerk und Leder. 
107 
DasvVerkehrttragen der Felle führt die Kunst des Kürschners 
in ein neues Stadium ein; sie stellt sich schon der Natur entgegen, 
geht nicht mehr wie früher in ihr auf und hat von nun an natür- 
lich einen ganz neuen Stil zu befolgen, wobei der Saum (die Ver- 
brämung) ugdgädieNaht (aus farbiger Stickerei und eingefügten 
Pelzstreifen bestehend) nebst sonstigem Zubehör, als Troddeln, 
Quasten und dergleichen, den warmen, braunrothen Grund des 
Leders beleben. 
Dieser Stil führte zu der Berücksichtigung der kleineren pelz- 
tragenden Thiere, deren Fell man früher gering achtete. Da 
 in kalten Ländern gute Pelze tragen, so mag 
 hägtiiiges Vorkommen daselbst zuerst zu dem Pelzkittelstile 
Ägieiiihrufrhaben, der somit von dorther vollständig ausgebildet den 
kultivirten Völkern des Mittelmeerbeckens überliefert Ward und 
immer etwas Fremdes, Barbarisches behielt. Die kleinen kostbaren 
Felle dienten zur Verbrämung der Pelze, selbst wie später nicht 
mehr das nackte Fell sichtbar blieb, sondern mit kostbaren Stoffen 
(Tuch und Seidenzeugen) auswärts bekleidet wurde. 
Dieser Luxus der feineren Pelzwerke war dem klassischen 
Alterthume schon seit sehr früher Zeit bekannt. Nach einigen 
Gelehrten soll sogar der Argonautenzug eine Spekulation auf 
Pelzwerk gewesen sein (Is. Voss zum Catull p. 190), gleich den 
Zügen der Normannen nach der Küste von Nordamerika. Plinius 
erwähnt der chinesischen Felle (serum pelles. Plin. XXXIV. 14. 
S. 14); später wurden sie aus Parthien bezogen, daher Parthiarii 
für Pelzhändler i'm römischen Rechte. Der Handel ging zu Lande 
und dann über das schwarze Meer weiter. Seneka lobt die Fein- 
heit und Dichte der skythischen Fuchs- und Zobelpelze (mu- 
rium). Diese Felle wurden zusammengenäht und hiessen dann 
Kaftans (Mrxvuvrä-zlßg). Auch Tacitus undJustinus erwähnen der 
Terga murina. Sehr gesucht waren auch Wegen ihres Moschus- 
geruches die Häute des Bisamthieres. (Siehe über das Pelzwesen 
der Alten die interessante Anmerkung in C. A. Böttigens gr. Va- 
sengemälden, 3. Heft, S. 187, wo die hieher bezügliche Litteratur 
zu finden ist.)  
Zur Zeit Karls des Grossen wurden pelzgefütterte, reich, selbst 
mit Vogelfellen verbrämte und mit Vogelfedern gestickte Kleider 
von Frauen und Männern getragen; es war altfränkische Sitte, 
die der Kaiser bevorzugte. Eine Weste (thorax) aus Otterfellen
        

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