Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1668786
Haut 
Bäume. 
Zwischen den Häuten der Bäume, nämlich der Rinde und dem 
Baste derselben, und den Häuten der Thiere zeigt sich ein merk- 
würdiger Rapport, der sidi auf doppelte Weise bei der uns be- 
schäftigenden Frage geltend macht. Die Rinde, wie das Fell, 
musste naturgemäss sehr frühe zu der Idee führen, sie, die na- 
türliche Decke des Baumes, abzuschälen und zu Zwecken zu ge- 
brauchen, die ihrer ursprünglichen Bestimmung verwandt waren. 
Nicht zu reden von jenem famosen „ftill dress of an Indian Lady", 
das auf den beiden grossen Ausstellungen zu London und Paris 
paradirte und aus einem dreieckigen Stück Baumrinde besteht, 
den die Guiana-Damen sich vorsehürzen, spielt die Rinde bei vie- 
len Völkern, die schon bedeutend in der Kultur vorgerückt sind, 
neben den Häuten der Thiere einen wichtigen Bekleidungsstoff. 
Hierin sind aber die nordamerikanischen Eingebornen vielleicht 
am weitesten vorgeschritten, die an ihren aus Rinde und Leder 
gefertigten Canoes einen besonderen Kunststil entwickelten, der 
sowohl in Form wie in Farbe höchst originell ist. Man kann ihn 
den Gerberstil nennen, wobei die rothbraune Farbe der Rinde, 
die der des Leders naturverwandt ist und noch ausserdem durch 
den Process des Gerbens mit letzterer identificirt wird, den 
Grundton der Polyehromie bildet, worauf sich dann die vier Far- 
ben blau, roth, schwarz und Weiss (mit Auslassung des Gelb) an 
den zierlich gebanderten Fugen und Nähten abheben. Aehnliehe 
Tendenzen erkennt man in den bekannten Produkten aus Birken- 
rinde, welche einen Hauptzweig der norwegischen Bauernindustrie 
bilden. 
Eine verfeinerte oder vielmehr eine Uebergangsindustrie ist 
schon der Gebrauch des Bastes zu Bekleidungen aller Art, in- 
dem derselbe mit Beihülfe einer Lauge in eine Zeugform gepresst 
wird, woraus Kleidungsstücke und Decken bereitet werden. Die 
Stämme der Siidsee gleich den amerikanischen Völkern wissen 
auch diesen Zweig der Industrie, der den Uebergang zu dem 
Bastgeflechte bildet, stilgerecht und mit tadellosem Geschmacke 
durchzubilden. (Vergl. Klemnfs Kulturwissenchaft passim.) 
Auch in Indien ward seit den ältesten Zeiten Baumrinde und 
Baumbast zu Kleiderstoffen verarbeitet. Herodot (III. 98) nennt
        

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