Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1668776
Kunst. 
Textile 
Technisch-Iiistorisches. 
Thierfellc. 
101 
durch dasselbe mit dem ehrwürdigen Nimbus des Uranfänglichen 
zu umgeben gewusst.  Das Gleiche sehen wir bei den alten 
Germanen und den skythischen Völkern, die obschon sie das 
Pelzwerk und das Leder auch auf andere und zwar sehr raffinirte 
Weise zu bereiten -und zu gestalten geschickt-genug waren, den- 
noch bei kriegerischen Körperbekleidungen und wohl auch bei 
Priesterornaten die Form und den Charakter des Thieres, dessen 
Pelz dazu diente, möglichst zu erhalten wussten, letzteren wohl 
noch schreckbarer hervortreten liessen und dessen furchterweckende 
Wirkung steigerten. Beliebte Symbole waren bei diesen nordi- 
schen Völkern das Fell des Urs, dessen ellenlange Hörner über 
dem Haupte als kriegerischer Kopfschmuck cmporstiegen, die 
Haut des Elenn und des Bären, auch Wohl dieExuvie des Stein- 
adlers, dessen Fittige eine furchtbar schöne Helmzierde bildeten. 
Die Cimbern trugen, nach Plutarch (lilarius 25), Helme die den 
Rachen fürchterlicher Thiere glichen und andere seltsame Gestal- 
ten hatten; auf diesen standen hohe Federbiische in Form de1' 
Flügel, wodurch sie um Vieles grösser erschienen. 
So verstecken die Indianer der Prairie bei ihren Wilden Kric- 
gestänzen noch jetzt ihr Haupt hinter fürchterlichen Thiermasken, 
dem Bison oder dem Bären entnommen. Aehnlicl1en Masken- 
schmuck findet man bei den Wilden der Südseeinseln. Diese 
scheusslichcn Thiermasken treten bei den ägyptischen Priestern 
in feinerer Ausbildung als hieratischer Kopfputz des den Gott re- 
präsentirenden Priesters auf. Es wurde die Thiermaske das frühe 
Symbol der Verhüllung, des Geheimnissvollen, des Schreckbaren. 
Oft blieb davon nichts als das besonders charakteristische Abzei- 
chen des Thieres übrig; z. B. die Stierhörner als Schmuck der 
Mitra der assyrischen Herrscher, die Widdcrhörner als Kopfzierde 
der ägyptischen Könige, die auch Alexander als Beherrscher 
Aegyptens und Sohn Ammons für sich in Anspruch nahm und 
trug. Das furchtbare Gorgeion der die Aegis schüttelnden Pallas 
Athene ist eine Maske. Diese war schon lange in dem Lßbfin 
und in den Künsten ein bedeutsamstes Symbol, bevor die dra- 
matische Kunst sich desselben bemächtigte; auch hier sehen wir 
wieder das scheinbar Rafiinirteste der antiken Kunst unmittelbar 
auf die ursprünglichste Natur geimpft.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.