Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1668765
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Hauptstück. 
Viertes 
in der Kürsehnerei excelliren, wenigstens gilt dieses von denen, 
die ein rauhes Klima bewohnen. Sie sind hierin unsere Lehrer und 
Meister in noch unzweifelliafterer Weise, als dieses auch auf an- 
deren Gebieten der Industrie der Fall ist,  eine Wahrheit, die 
unseren patentirten und durch grosse und kleine Ausstellungsme- 
daillen beglaubigten Herrn Hofkürschnern nicht angenehm klingen 
mag. Auch hier bedarf es eines einsichtsvollen und ästhetisch 
gebildeten Fachniannes, um diesen herrlichen Naturstoff, den wir 
jetzt nur in rohester, rein utilitarischer Manier zu behandeln Wis- 
sen (hierin unendlich barbarischer als Lappländer, Tungusen und 
Rokesen) wieder zu Ehren zu bringen, indem er eine mit Illu- 
strationen wohl ausgestattete, technisch-stilistische und zugleich 
kulturwissenschaftliche Monographie über die Kürschnerei heraus- 
gäbe. Nur auf diesem Wege, wenn nämlich jedes Fach der tech- 
nischen Künste durch Jemand, der in demselben praktisch ganz 
zu Hause ist, nicht mehr, wie bisher, von der bloss technischen 
Seite, sondern mit besonderer Berücksichtigung der das Artistiseh- 
Formelle und den Stil betreffenden Fragen behandelt würde, liesse 
sich eine bessere Richtung des Geschmackes auf den unteren Ge- 
bieten des Kuxistschaffens vorbereiten, und auf solch populärer 
Basis würde sodann erst ein weitergreifender, über die höhere 
Kunst sich ausdehnendcitPlan der praktischen Schönheitslehre 
fussen können. 
Der Mensch lernte frühe die Felle der Thiere so zubereiten, 
dass sie der Fäulniss widerstanden und die Geschmeidigkeit er- 
langten, wodurch sie geeignet wurden , als Üeberwürfe und zur 
Kleidung zu dienen.  
Bei der Zubereitung der Felle, besonders wenn sie von erlegten, 
NVilde grösserer und edler-er Gattung gewonnen waren, suchte man 
den Charakter dieser Thiere möglichst zu erhalten, man liebte es 
ti-ühzeitig, durch die Exuvien der Bestien, die 111an auf den Schul- 
tern trug und über den Kopf zog, auf die eigene Kraft, Gewandtheit 
und Kanipfgier anzuspielen. Mit Löwen- und Pantherfellen, Bä- 
ren- und Wolfshäuten, auch selbst mit den Schuppenfellen der 
Fische und Laeerten bekleidete der Mythus der antiken Völker, 
die das Mittelmeer unnvolinten, ihre Heroen und Heroinen. Die 
ägyptischen und assyrischen Priester kostümirten sich mit ihnen, 
ein sicheres Zeichen historisch begründeten und uralten Herkom- 
rnens, denn stets hat die Priestersehaft dieses zu erhalten und sich
        

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