Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1668742
98 
Ilauptstück. 
Viertes 
Oberfläche der Haut gleichsam bildlich wiedergeben, oder viel- 
mehr durch Lineamente graphisch darstellen, eine sehr merkwür- 
dige Erscheinung, die den Beweis gibt, dass das Ornament bei 
diesen Völkern schon in seinem structiv-symbolischen Sinne auf- 
gefasst und sehr richtig verstanden wurde. Sollte man berech- 
tigt sein, daraus zu schliessen, dass diese Auffassung des Orna- 
mentes die ursprünglichste sei oder ist sie vielmehr als ein Zei- 
chen eines sekundären Kulturzustandes derjenigen Völker anzu- 
sehen, bei welchen sie hervortritt? (S. Klemm's Kulturgeschichte 
der Menschheit  Südseeinsulaner und passim.) 
Die Ornamente auf der Haut dieser Völker sind gebildet aus 
gemalten oder tettowirten Fäden, die in mancherlei Sehnörkeln 
und Windungen in einander laufen und mit geraden Linien ab- 
wechseln. 
Also werden wir durch diese Linien zugleich wieder auf den 
Faden als das lineare Element der textilen Fläche zurückgeführt. 
Gebinde 
Geräthen 
und 
Waffen  
Das Bedürfniss des Bindens und Befestigcns ist gewiss eines 
der frühesten Für das handbegabte aber naturwatTenlose Thier, 
den Menschen. Die natürlichsten Stoffe dazu boten das Pflanzen- 
und das 'l'hierreich.  DerBast der Bäume und die Halme der 
stärkern Grasarten waren natürliche Bindemittel, deren Anwen- 
dung gleich zu Anfang gewisse Proceduren voraussetzte, aus de- 
nen eine Art von Stil hervorging. Grosse Kunstfertigkeit, rich- 
tiger mechanischer Instinkt und oflienbares Streben, dem Schön- 
heitsgefiihle gleichzeitig mit der Festigkeit Genüge zu leisten, 
zeigt sieh in den Bast- und Grasumschlingungen der Waffen und 
Geriithe der Wilden. 
Gar manches erinnert dabei an die Geräthe und Waffen der 
alten Aegypter, von denen sich Einiges in den GrälJergmtten 
des Nilthales erhalten hat.  
Das Gleiche gilt von den Waffen, Geräthen und Werkzeugen 
der Assyrer, Hellenen, Etruskei- und Römer. Man überzeugt sich 
hier wie überall, dass die hohe Kultur des Alterthums gleichsam 
unmittelbar auf die Natur geimpft war.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.