Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1668625
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Drittes 
muptstück. 
letztere eine ziemliche Fülle darbietet und die durch unmittel- 
barste Ideenverknüpfung in uns die Empfindung oder das Be- 
wusstsein erwecken, dass diese verkettenden Glieder ihren Funk- 
tionen in jeder Beziehung gewachsen sind. 
In ornamental-stilistischer Uebersetzung in das Stofflichc wer- 
den solche der Natur entlehnte Symbole, z. B. das Rankenwcrk 
der Schlingpflanze, die klammernden Organe der Rebe oder des 
Helyx, das Netzwerk der Melone, die Krallen und Klauen der 
Thiere, die Rachen der Bestien und andere dergleichen, die M0- 
tive zu ornamentalem Schmucke geben, dem nach der Wahl der- 
selben und ihrer einfacheren oder reicheren, ernsteren oder leich- 
teren Durchführung in Form und Farbe jede beliebige, den näch- 
sten und den letzten Beziehungen entsprechende Sonderstimmung 
gegeben werden kann. 
Es ergibt sich zugleich aus der struktiven Abhängigkeit und 
funktionellen Bestimmung dieser Motive, dass sie die Grenzen des 
eurhythmisch geregelten Ornamentes nicht überschreiten dürfen und 
der höheren Tendenzsynibolik kein Feld bieten, da diese sich, 
wie bereits in der Einleitung dieses Buches dargelegt werden ist, 
nur auf neutralem, nicht technisch und struktiv funktionirendem 
Boden entfalten kann und soll.  Wenn das Gesagte hier ganz 
besondere Anwendung findet, so ist es doch überhaupt und allge- 
mein gültig für alle ähnlich struktiv funktionirenden Thcile einer 
künstlerisch behandelten Form. Das Gesetz, um welches es sich 
handelt, ist ein Grundgesetz des Stiles und tritt hier in der tex- 
tilen Kunst nur in grösster Ursprünglichkeit und Einfachheit her- 
vor, wesshalb hier der Ort war, besonders darauf hinzuweisen, 
Schon in dein nächsten Abschnitte wird es nöthig Werden, zu 
zeigen, wie dieselben ornarnentalen Formen, die hier von dem 
Processe des Nähens, Heftelns, Verknüpfens u. dergl. abgeleitet 
wurden, auch auf andere, der Bekleidungskunst nur entfernt oder 
gar nicht verwandte Werke des Kunstfleisses übertragen werden 
und wie dabei naturalistisches Nachahmen und tendentiöse Kunst 
zu vermeiden, konventionelle und ehimäriseh-ornamentale Behand- 
lung des Thema Bedingung ist;  theils wegen der Nothwendig- 
keit des möglichst ungetrübten Hervortretens der technischen 
Funktion, die hier ihren Ausdruck finden soll, theils wegen 
des Gegensatzes, der zwischen dem struktiv-dienenden Kunst- 
gcbilde, das keine unmittelbaren Ideenverknüpfungen gestattet,
        

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