Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1668539
Textile Kunst. 
Die Naht. 
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darlegt, desto mehr nähert sich die Ausführung ihrgem Ideale, 
Diese Auffassung hindert indessen keineswegs die Conceiitratioin 
des Sehmuckes amder Decke, der mitunter mit sehr einfacher 
Behandlung der Wände und Fussböden sich vereinigen lasst, so 
dass der Glanz der unerreichbaren Decke gleichsam für den strengen 
Ernst und die Nüchternheit der nächsten Umgebung entschädigt 
und dieser sogar durch seinen Reflex eine Art von Bedeutung und 
restlicher Weihe mittheilt. Ich habe während meiner baulichen 
Praxis in diesem Sinne Manches, und nicht ganz ohne Glück, 
gewagt. 
Wenn ich hier der Deckendekoration im Allgemeinen und der 
Anwendung historischer Bilder auf den Flächen der oberen Raun1- 
ahschlüsse das Wort spreche und dabei den Einwand des unbe- 
quemen Sehens, der gegen sie gemacht wird, bekämpfe, so folgerc 
ich nun zugleich aus der Bedeutung, die ich der Decke als deko- 
ratives Hauptmoment beilege, die Nothwendigkeit des Innehal- 
tens eines bestimmten, durch die physische Beschaf- 
fenheit des Menschen und besonders durch das Organ 
des Sehens schon materiell vorgeschriebenen Maasses 
der Deckenhöhe, besonders in ihrem Verhalten zu dem Stand- 
punkte, welcher den Sehwinkel bestimmt, unter dem wenigstens 
ein Theil der Decke nicht zu unbequem übersehbar wird. Ich 
verwerfe somit in umgekehrter Anwendung der Gründe, die man 
gegen Deckengemälde geltend macht, die übermässig hohen und 
schlanken räumlichen Verhältnisse, besonders bei nicht genügender 
Entwicklung des Raumes nach seiner IQänge. Sie sind aus einer 
falschen und einseitigen architektonischen oder vielmehr construk- 
tiven Theorie hervorgegangen und werden nun mit noch falscherer 
Sentimentalität für das Werk und den erhabenstcn,  alleinig 
statthaften Ausdruck ächt ehristlich-germaniseher Glaubensinnigkcit 
und Grösse ausgegeben. 
Die 
Naht 
Bedeutung 
Struktive 
der 
Naht. 
Die Unscheinbarkcit der Ueberschrift 
über die Bedeutung seines Gegenstandes 
dieses Artikels darf 
in kunst-stilistischer
        

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