Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1668478
Textile Kunst. 
Decke. 
Die 
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Kirchen, ordnen sich die Mittelmntive so, dass sie für den An- 
däehtigen, der das Schiff betritt, aufrecht stehen, das heisst, sie 
sind mit den Köpfen nach der Thür, mit den Füssen nach dem 
Altar gerichtet. Schon schwieriger ist mitunter die Orientation der 
Mittelmotive in den Seitenschiffen und quadratischen janusbogen- 
artigen Passagen, die besonders in den Kuppelkirchen der Renais- 
sance so häufig vorkommen. 
Die Mittelmotive auf den Gewölben der Seitenschiffe sollen fiir 
denjenigen orientirt sein, der aus dem Hauptschiff durch die Bo- 
gen der Hauptmauern in das Seitenschiff tritt, um vor der Ka- 
pelle, die dieser Abtheilung des Seitensehiffes entspricht, eine 
gottesdienstliche Handlung zu begehen. Unter dieser Annahme 
muss das Sujet des mittleren Schildes in dem Gewölbe des Sei- 
tenschitfes das Kopfende gegen das Ällauptschid, das Fussendel ge- 
gen die Kapelle gerichtet haben. Aber sehr oft wird diese An- 
ordnung gegen die Optik verstossen, da, um das Bild in seiner 
wahren Elevation und nicht verkehrt zu sehen, man genüthigt ist, 
sich gegen das Licht zu stellen.  Diese Rücksicht ist in sehr 
vielen Fällen maassgebend für die Orientirung der Bilder etc. 
Wo nicht hieratische oder Etiketten-Vorschriften oder sonstige an 
die Bestimmung eines Raumes geknüpfte Bedingungen dagegen 
treten, muss das Bild für denjenigen recht stehen, der dasselbe in 
der besten Beleuchtung sieht indem er das Licht im Rücken hat. 
Hierüber gibt die Galerie d'Apollon im Louvre, das Meister- 
stück Berains, mit der von Lebrun koinponirten und ausgeführten 
herrlichen gewölbten Decke zu interessanten Studien Gelegenheit. 
Sie hat eigentlich keine andere Bestimmung, als die eines bril- 
lanten Gorridors, ist sehr lang bei massiger Breite von etwa 40 
Fuss, der Eingang ist an einer der schmalen Seiten, ihm gegen- 
über, in weiter Distanz ist ein grosses Balkonfenster. Die linke 
Seite ist ganz mit Fenstern durchbrochen, deren Täfelung mit 
Arabesken en Camajeu auf Goldgrund von Berain überaus reich 
und zugleich mässig und geschmackvoll verziert ist. Gegenüber 
läuft die Wand, gleichfalls getäfeelt, ohne besondere Unterbrechun- 
gen, mit Ausnahme einiger reich verzierter Thüren, von Anfang 
bis zu Ende fort. Sie war ohne Zweifel von jeher bestimmt, Bil- 
der aufzunehmen, und hat keinen Mittelpunkt der Beziehungen. 
Ihre bistergraue Täfelung ist bis zur Höhe des Lambris mit 
schönen Arabesken in demselben Stile, wie die der Fensterge-
        

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