Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1668437
Kunst. 
Textile 
Decke. 
Die 
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soweit diess statthaft ist, ohne gleichzeitige Beeinträchtigung des 
Grundsatzes, wonach jegliche Bekleidung (wozu auch die Decke 
gehört) stets untergeordnet und Hintergrund, niemals Hauptsache, 
sein soll. Jedenfalls muss die Decke auf der Klimax des Wirkens 
und der Prachtentwicklung über die Dekoration der Wände hin- 
aus die höchste Staffel bilden, sie ist der beherrschende und ab- 
schliessende Aceord in der Harmonie des dekorativen Systemes. 
der 
Richtung 
Decke 
dhr 
auf 
dargestellten 
Gegenstände. 
Nach diesen Bemerkungen über die allgemeine Haltung der 
Decke und deren Stimmung zu den übrigen Theilen des Raum- 
abschlusses mag nun auch das ihr Eigenthümliche über die Rich- 
tung der ornamentalen und figürlichen Gegenstände, die auf ihr 
gebildet werden, folgen. 
Wie man auf dem Fussboden dem strengsten Stile gemäss al- 
len darauf iigurirten Gegenständen auf den Kopf sehen sollte, 
wie vortreffliche indische (und andere) Teppiche wirklich nach 
diesem Prinzipe dekorirt sind, ebenso verlangt derselbe strenge 
Stil, dass auf der Decke sich alles Figurirte von Unten, gleich- 
sam in der umgekehrten Vogelperspektivc zeige. In der That 
ist dieses der Fall bei allen Decken des Alterthums, den reich- 
sten und organisch durchgebildetsten architektonischen Schöpfun- 
gen, die der Genius des Menschen, so lange er wavltet, geleitet 
durch richtige Stilprinzipien, hervorbrachte. Zu allen Zeiten be- 
hielt die Stroterendecke (eine uralte Erfindung, welcher nur die 
Griechen die letzte Vollendung und vollständigste Gliederung ga- 
ben) ihre hohe architektonische Weihe; ' die Römer übertrugen 
sie sogar auf das Gewölbe und die Kuppel, verliessen sie nie an 
Tempeln, sondern nur zum Theil an profanen Werken, an Decken 
der Wohngebäude, Bäder u. dergl. 
Von allen Dingen der Schöpfung zeigen sich nur zwei oder 
höchstens drei in dekorativem Sinne behandlungsfahige Motive in 
der oben so genannten umgekehrten Vogelperspektive; diess sind 
die Sterne am Himmelszelt, die Vögel, die in der Luft schweben, 
endlich vielleicht das beschattende Laubgeäste, und die zwischen 
Siehe 
die Farbendrücke Tab. V. 
und Tab. VI.
        

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