Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1668385
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Drittes 
Hauptstück. 
sonstigem Male in Beziehung stehen und der Richtung von Aus- 
sen nach Innen concentriseh zu diesem folgen müssen. Ich denke 
mir, dass die meisten oder ivenigstens die schönsten der historiir- 
ten Fussböden, die sich erhielten, in diesem Sinne aufgefasst 
waren, dass sie durchaus die Bestimmung nicht hatten, betre- 
ten zu werden, sondern dass sie, um das Mal herum, den wohl 
meistens noch ausserdem mit Schranken umgebenen Temenos 
desselben bcrixaichnen sollten. 
Das Gesagte findet seine volle Bestätigung und Erläuterung 
in den drei im Holzschnitte dargestellten Fussböden, welche den 
Paragraphen 12- 16 zur Illustration beigefügt wurden. Das 
am Eingange des  15. gegebene Bruchstiiek eines Fnssboden- 
dessins, das ohne Zweifel die in Kalkstein gravirte Kopie 
eines assyrischen Teppiches ist (der Fussboden wurde durch 
Layard dem brittischen Museum erworben), zeigt eine Pflan- 
zenbordüre äusserlich vor dem Saume, die nach Aussen ge- 
richtet ist. Der Saum ist mit Knöpfen oder Rosetten verziert, 
ein Symbol, das gleichzeitig die Naht bezeichnet (s. unter Naht). 
Die grösseren Pfianzenornamente sind so geordnet, dass keinerlei 
Richtung sich kund gibt, und bilden gleichsam" offen entwickelte, 
von oben betrachtete Lotuskelche. 
Wenn dieses Fussbodenmotiv gewiss schon desshalb in kunst- 
historischer Beziehung als das älteste Beispiel erhaltener verzier- 
ter Pavfmente ausserst wichtig ist, so bietet der nach eigener in 
Olympia. aufgetragener Zeichnung beigegebene Mosaikboden des 
Pronaos im Jupitertempel daselbst nicht minderes Interesse, weil 
er wahrscheinlich gleichzeitig mit der Erbauung des Tempels aus_ 
geführt wurde (er war mit einer zweiten, vermuthlich römischen Bo- 
dentäfelung aus kleinen, seehsseitigen Platten aus orientalischem 
Alabaster überdeckt), Lmdsonlit das älteste und so viel mir bekannt 
zugleich das einzige Beisiiliiitzl äebt-hellenischer Mosaikarbeit. Hier 
zeigen sich Saum, Naht und Bordüre getrennt und jeder dieser 
Theile fung-irt für sich allein. Den Saum bildet der in Beziehung 
auf Aussen und Innen indifferente Mäander, dann folgt das Zick- 
zack, ein Symbol, welches ganz besonders der Naht zukommt, 
gleichsam für diese das Ursymbol ist; nun erst kommt die Bor- 
düre oder der Randabschluss, der für das Aussen und Innen be- 
zeichnend wird; er weist nach Innen, jedoch in gemilderter Weise, 
indem die Ecken der Kränze auswärts gewendet sind. Nun erst
        

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