Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1668335
'l'extile 
Kunst 
Die 
Decke 
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macht, zweitens aber auf das Räumliche und Zeitliche sich be- 
ziehen, indem dasjenige den Anfang bildet, welches zuerst gefasst, 
betreten, gesehen wird, das Gegentheil davon das Ende der Sache 
ist. In der- Kunst sollen nun beide Elemente des Begriffes, An- 
fang und Ende, möglichst zusammenwirken und niemals einander 
widerstreiten. Main denke sich, als einfaches Beispiel, eine Pelz- 
decke, die aus zusammengenähten Thierfellen besteht, so haben 
diese Thierfelle ein Kopfstück und ein Schwanzstück. Soll nun 
der Rand dieser Decke der Anfang des Raumesabschlusses sein, 
den die Pelzdecke bedeckt, so müssen die Kopfenden der Stücke, 
woraus der Pelz zusammengefügt ist, nach Innen gerichtet sein, 
weil dann die Richtung der Thiere, die durch die Felle sich uns 
vergegenwärtigen, mit unserer eigenen Tendenz oder Richtung 
harmonirt, im entgegengesetzten Falle sind die Kopfenden der 
Thierfelle schicklicher nach Aussen zu wenden. 
Nach dem Vorausgeschickten ist jetzt die Stilgereehtigkeit des 
Saumes leicht zu bestimmen, so weit sie das Allgemeinere der 
Anordnung betrifft. Beide Funktionen, von denen die Rede war, 
müssen in ihm entweder getrennt oder in einem Symbole ver- 
einigt hervortreten und sich bildlich darlegen. In jenem Falle 
muss der Saum nach einer Seite hin noch eine besondere Bordüre 
haben, wo dann der Saum den Begriff des Einfassens, die Bor- 
düre den Begriff des Endigens oder Beginnens versinnlicht. Hier 
bleibt der Saum in Beziehung auf die zuletzt genannten Begriffe 
vollkommen bezeichnungslos, versinnlicht aber um so deutlicher 
durch linearische, vegetabilisehe oder gemischte Verilechtun- 
gen, die seine Oberfläche zieren, das Fungiren nach der Rich- 
tung seiner Längenausdehnung als umfassendes Band. Dieses 
Band kann noch durch ein Zwischenglied, das sich als Naht cha- 
rakterisiren muss (siehe weiter unten bei Naht), an das Einge- 
fasste, nämlich den eigentlichen Teppich u. dergl. befestigt werden. 
Die vegetabilischen Rankenwerke, Akanthuswindungen, Mäander 
u. s. W. auf dem Saume haben in diesem Falle keine Richtung 
nach oben und unten, sondern nur nach der Länge des Saumes, 
es ist ganz gleich, von welcher Seite man sie betrachtet, ob vom 
Innern des Raumes aus, oder ausserhalb desselben stehend. 
Je nachdem nun der Raum von Aussen nach Innen oder von 
Innen nach Aussen allseitig gerichtet ist (siehe oben), muss in 
diesem jetzt zuerst erwogenen Falle eine Bordüre entweder inner-
        

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