Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1668311
'l'extile 
Kunst. 
Die 
Decke. 
Fussteppichen, wie z. B. das in Fig. 1. Taf. W. der Farben- 
drücke, dessgleichen der hierneben (S. 54) dargestellte assyrischc 
Fussbodcn, sind nach diesem Grundsatze geordnet. Der indische 
Teppichwirker würde sich niemals so weit verirren, ein Muster 
wie z. B. das auf Fig. 2 derselben Tafel dargestellte, mit auf- 
steigendem Rankenwerke, das nur für Wandbekleidungen passen 
kann, für Fussteppiehe zu benutzen, es sei denn, idass er unter 
dQgn Einflusse der europäischen Industrie seinen idrsprünglichen 
 naiven Kunstsinn total eingebüsst hatte, was leider häufig 
bereits geschehen ist.  
Doch lässt sich auch eine Lösung der Aufgabe denken, wobei 
die Profilansicht eines Bouquets oder sonstigen vegetabilischen Mo- 
tivs gewonnen werden kann, wenn nämlich die Bouquets u. s. w. 
in scheinbarer Unregehnässigkeit so verstreut sind, dass sie in 
allen möglichen Richtungen liegen, also zusammengefasst gar keine 
Richtung bezeichnen. Grössere Schwierigkeiten würde das gleich- 
massig vertheilte Rankenwerk machen, wollte man ihm den 
Charakter der tRichtungslosigkeit beigeben. Es wären drei Mittel 
möglich: Man könnte das Geränke gleichsam irndMittelpunkte des 
Teppichs wurzeln lassen; von dieser Wurzel aus verbreitete es 
sich excentrisch nach den äusseren Grenzen; man kön rgjmge- 
kehrt das Geränke von den Wänden ausgehen und in Mitte 
zusammenwachsen lassen; man könnte endlich dasselbe sich nach 
Systemen paralleler Linien in entgegengesetzten Richtungen durch- 
kreuzen lassen. Von diesen drei Mitteln sind die beiden ersteren 
anwendbar und vom Standpunkte des Allgemeinen aus betrachtet 
stilgerecht, obschon sie dem Webstuhle nicht bequem und geläufig 
sind. Der Unterschied ihrer Anwendbarkeit nach gegebenen Um- 
standen ergibt sich aus dem zunächst Folgenden. Das dritte Mit- 
tel endlich ist schwer durchführbar und endigt nothwendig mit 
Konfusion; denn es genügt nicht, die Ranken sich nach zwei Rich- 
tungen einander durchkreuzen zu lassen, sie müssen, um- das Feld 
in Beziehung auf Richtung ganz neutral zu lassen, einander vier- 
fach entgegenwirken. Bei so grossen Schwierigkeiten, die das 
Rankendiaper schafft, ist es besser, es ganz unberücksichtigt zu 
lassen, Wo es sich um Fussböden handelt. 
Es sei nun der Fall besprochen, wenn der Teppich Vollständig 
gegliedert und um ein Mittelfeld herum in koncentrische oder re- 
gelmässige Compartimente getheilt ist. Er sei durch einen mit
        

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