Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1668289
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Ilauptstiick. 
Drittes 
liche Medium besitzt durch seinen Glanz die Eigenschaft beider 
lüxtreme des Schwarzen und Weissen und passt daher" für alle 
Uombinationen. Zugleich tritt es, wo dieggs der Harmonie förder- 
sam ist, als Farbe, nämlich als nuancirtesi Gelb, in Wirksamkeit. 
Das entgegengesetzte Prinzip der Ornamentation zu diesem ist 
nun das der Subordination, welches darin besteht, dass die 
Kontraste der Farben und der Töne nicht durch Abwägen ihrer 
Wirkungen nivellii-t werden, sondern sicheigiiapder bis zu einem 
bestimmten Kulminationspunkte steigern, in einem solchen 
Grade das ganze System beherrscht, dass durch seine überwiegende 
Autorität die Einheit der Gesamnitwirkung erreicht wird. 
Dieses geschieht schon dadurch, dass eben das Zusammen- 
wirken der subordinirten kontrastirenden Elemente die Autorität 
des herrschenden Elementes hält und kräftigst unterstützt. Wo 
ein Zusammenwirken von Kräften nach einem gemeinsamen Ziele 
sich zeigt, dort tritt Einheit in der Mannigfaltigkeit zur Erscheinung, 
Die Durchführung der Theorie der Polychroniie, die aus diesem 
Subordinationsprinzipe hervorgeht, sei bis zu einer Gelegenheit vey- 
schoben, bei welcher sie unmittelbare und ungetheilte Anwendung 
jindet. Es wird sich dabei zeigen, dass ein solches System zu- 
gleich dasjenige ist, welches den Elementen desselben die grösste 
Freiheit der Entwicklung und die meiste Unabhängigkeit innerhalb 
der ihnen angewiesenen Schranken gestattet. 1 
Es gestaltet sich durch freies Zusammenwirken von Einheiten, 
die gleichsam von einander emancipirt sind und die selbst wieder? 
nach dem Pi-inzipc der Subordination (oder der Hierarchie, 
wenn dieser Ausdruck erlaubt ist) durch Elemente zweiter Ord- 
nung, die ein gemeinsames Ziel verbindet, sich als einheitlich im 
Mannichfaltigen kund geben. Es ist einleuchtend, nach dem un- 
tergeordneten Verhalten, welches der Decke und jeglicher Umklei- 
dung zukommt (worüber oben bereits das Nöthige gesagt werden 
ist), dass auf ihnen sich ein System der Polychromie, wie das 
zuletzt erwähnte, nicht vollständig entwickeln darf, sondern höch- 
stens vorbereiten kann, weil sie eben nur die dienenden, vorbe- 
' Vergl. mit dem Angedeuteten: Observations on some specimens 
of metal work by Prof. Semper in dem Catalogue of the Museum of Oma- 
mental art at Marlboroughhouse. London. 5th Edition. 1853- DCSSEI- lf'ield's 
Chromatic Equivalents, und Appendix D des oben erwähnten Katalogs, 
der einen Aufsatz von Owen Jones über Farben enthält-
        

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