Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1022252
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auszurotten war, um alhnälig dem letztern den Sieg zu 
sichern. Eine Politik, die wie sie oft als Weisheit ge- 
rühmt ist, doch schon als eine Halbheit sich verurtheilt, 
in der That aber als eine Verunreinigung des Christen- 
thums nur zu leicht den völligen Rückfall in's Heidenthum 
zur Folge hatte.  Eben so konnte in einem zwiefachen 
Sinn der neuen Kirche ein altes Götzenbild einverleibt 
sein, wie an folgenden Denkmälern erhellt. 
In einem Bethaus zu Bregenz am Bodensee, welches 
der h. Aurelia geweiht war, fanden sich zu Anfang des 
siebenten Jahrhunderts, wie in der Lebensgeschichte des 
h. Gallus berichtet wird 1), drei eherne vergoldete Bild- 
saulen (vermuthlich von alemannischen Göttern) einge- 
mauert. Das Volk war aber in völligen Götzendienst 
zurückgcsunken: denn mit Verlassung des Altardienstes 
betete es jene Bilder an und pflegte nach dargebrachtem 
Opfer zu sagen: „das sind die alten Götter und Beschützer 
dieses Ortes, durch deren Hülfe wir und das Unsrige 
bis jetzt erhalten sind." Auf Befehl des Columban er- 
mahnte Gallus das bei einem Fest des Tempels versammelte 
Volk, sich wieder zu Gott zu bekehren, Zerschmetterte 
dann vor Aller Augen die Bildsaulen und warf die Stücke 
in den Bodensee: worauf einige sich bekehrten, andere 
wüthend zurückwichen; Columban aber weihte die Kirche 
auf's neue.  Wie heidnischer Aberglaube, der an ein 
solches Götzenbild sich knüpft, bis tief in die christliche 
Zeit sich erhält, davon giebt Florenz ein Beispiel. Vor 
L 
Walafr. Strabo Vit. S. Galli c. 6., Mabillon Act. Bened. 
Sec. II. p. 233. Etwas anders Ratpert Casus S. Galli, Pertz 
Monum. T. II. p. 61. Vergl. Jac. Grimm Deubsche lllytholog. 
2. Ausg. S. 97-99, welcher bemerkt (S. 97. Anm.), in der 
schon christlichen Kirche seien die alten heidnischen Götterbilder 
eingemauert gewesen, wahrscheinlich um dem Volk, das an 
ihnen hing, sich gefällig zu bezeigen. 
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