Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1022154
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dem Einfluss Giotto's endlich, der gerade dadurch Epoche 
macht, dass er den Kreis der Kunstvorstellungen erwei- 
terte und den Gedanken für die Kunst eroberte, wurden 
schon rein mythologische Scenen vorgestellt, wofür die 
Miniaturen einer Handschrift im brittischen Museum ein 
wichtiges Dokument sind. Um dieselbe Zeit tritt wieder 
das Interesse hervor, biblische Geschichten nicht allein 
mit Ereignissen der Profangeschichte, sondern auch mit 
den Fabeln der Mythologie zu parallelisiren und diese als 
Typen zu benutzen, namentlich in dem viel verbreiteten 
Speculum humanae salvationis mit seinen Miniaturen und 
anderen Werken,  ein Interesse, welches auch im funf- 
zehnten Jahrhundert anhält.  Aber erst seit der ersten 
Hälfte dieses Jahrhunderts beginnt eine stetige Entwicke- 
lung, welche darauf hinauskommt, den mythologischen 
Vorstellungen eine bleibende Stelle in der neuern Kunst 
zu sichern. Sie erscheinen zuerst in den Beiwerken christ- 
licher Scenen, gelangen demnächst dazu, ebenfalls an 
heiliger Stätte neben christlichen Gegenständen, als wären 
sie gleich berechtigt, Aufnahme zu finden, und haben 
ebendaselbst im sechzehnten Jahrhundert und später hin 
und wieder sogar die eigenthümlich christlichen Vor-' 
Stellungen verdrängt. Eine solche Liebhaberei für mytho- 
logische Allegorieen war freilich krankhaft und konnte 
nicht Bestand haben. Das Resultat dieser Entwickelung 
aber ist, dass die christliche Kunst in ihrer Beschlossenheit 
zu Ende ging: sie ging über in die moderne Kunst, da 
die Kirche aufhörte, mit ihren Ideen und Gefühlen aus- 
schliesslich die Kunst zu beschäftigen und zu beseelen, 
und die Vorstellungen des heidnischen Alterthums zu 
einem selbständigen Element der Kunst erhoben wurden. 
Dieses Ziel der Entwickelung und zugleich das Maass des- 
selben stellt vornehmlich Raphael vor Augen, der beide 
Richtungen in sich vereinigte und vor Allem einheimisch
        

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