Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021923
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worden, sind zuerst darin verschieden, dass die mytho- 
logischen Personen entweder um ihrer selbst willen als 
geschichtliche Wesen nach dem Charakter, der in der 
lllythengeschichte von ihnen ausgeprägt ist, oder um Ele- 
mente und Erscheinungen der Natur zu repräsentiren, als 
die Geister derselben nach kunstgeschichtlichem Her- 
kommen aufgefasst sind. Im letztern Fall haben die Bil- 
der keine religiöse Geltung: es ist die Bezeichnung der 
Natur durch die Sprache der Symbolik, der die Kunst 
noch nicht entbehren konnte; es sind poetische An- 
schauungen ohne den heidnischen Gedanken. In dem 
erslern Fall aber wird dieser Gedanke, der "Mythus selbst 
mit herübergenommen.  Doch ist in diesem Fall noch 
weiter zu unterscheiden, 0b man bei der mythologischen 
Person als solcher und dem Mythus als einem jenseitigen 
stehen bleibt, oder die Person nur als Träger einer Idee 
nimmt, die in das Christenlhum hinüberureiset und hier 
realisirt werden ist: jenes ist der eigentliche, dieses der 
typische Gebrauch der Mythologie.  Hiernach waltet 
unter den mythologischen Vorstellungen in der christlichen 
Kunst der Grundunterschied: sie ruhen entweder auf ge- 
schichtlichen oder vielmehr übergeschichtliclien Voraus- 
setzungen und haben, eigentlich oder typisch genommen, 
religiöse Bedeutung; oder sie werden auf Theile der Natur 
bezogen und haben als physische Personiiicationen nur 
künstlerische Bedeutung. 
Die antike Kunst hat ausserdem zahlreiche Wesen 
aufzuweisen, die eine geschichtlich-mythol0gische Exi- 
stenz eigentlich nie gehabt hahen, sondern auch dort nur 
als Personiiicationcn gemeint sind, nehmlich von mensch- 
lichen Eigenschaften und Zuständen. So hat auch die 
christliche Kunst aus sich selbst zahlreiche Personen ge- 
schaffen, welche auf dem eigenthümlich christlichen Ge- 
biet Eigenschafteli und Zustäinde repräisentiren: es treten
        

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