Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021900
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Kreise von Vorstellungen, die schon in der christlichen 
Kunst traditionell geworden waren, entlehnt oder inner- 
halb dieser Kunst selbständig reproducirt. Sie finden sich 
insbesondere zu Anfang dieser Periode, als unter Karl 
dem Grossen und seinen nächsten Nachfolgern die Kunst 
einen Aufschwung nahm; und (ohne dass in den folgen- 
den Jahrhunderten eine eigentliche Unterbrechung statt- 
gefunden hätte) wiederum am Schluss derselben gegen 
Ende des zwölften Jahrhunderts, als schon in Deutsch- 
land, der Wiederherstellung der Kunst noch Vorangehend, 
ein neuer Kunsttrieb sich offenbart. 
Die dritte Periode, von der Wiederherstellung der 
Kunst im dreizehnten bis in's sechzehnte Jahrhundert, zeigt 
ein wachsendes Interesse für mythologische Kunstvorstel- 
lungen, welches von den neu erwachten Bestrebungen 
für das klassische Alterthum, sowohl in der Kunst als in 
der Literatur, ausging. Wie jene Kunstepoche überhaupt 
durch. das wieder aufgenommene Studium der Antike be- 
zeichnet wird, so rief dasselbe auch eine Neigung hervor, 
Vorstellungen der heidnischen Kunst herüberzunehmeil, 
die für's Erste hauptsächlich nur in den Nebenwerken 
christlicher Kunstdenkmäler Platz fanden. Endlich be- 
reitete die Wiederherstellung der klassischen Literatur im 
fünfzehnten Jahrhundert jenes Zeitalter vor, welches in 
mancher Hinsicht als Wiederherstellung des Heidenthums 
selbst erscheint, in welchem aber auch die christliche 
Kunst zur höchsten Blüthe gelangte. Die grossen Meister 
dieser Epoche nun besiegelten die Anwendung mytholo- 
giseher Motive in christlichen Bildwerken durch ihr Bei- 
spiel. Zugleich zeigt sich ein Wendepunkt auf diesem 
Gebiet. Während bisher die christlichen Ideen in der 
Kunst geherrscht hatten, da sie, eine Tochter der Kirche, 
das ganze Mittelalter hindurch ihres Ursprungs eingedenk 
geblieben war und ihre Eingebungen von ihr empfangen
        

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