Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021874
13 
Leben und Lehre der alten Welt vielfach in das Christen- 
thum herübergegriffen haben, insbesondere dass auch in 
der Wissenschaft der Kirche Gedanken des Heidenthums 
zugelassen sind. 
Wenn aber die Herübernahme jener mythologischen 
Vorstellungen in die christliche Kunst mehrentheils unbe- 
schadet des christlichen Glaubens geschehen ist, sofern 
sie entweder mit diesem sich in Einklang bringen liessen, 
oder überhaupt kein dogmatisches Gewicht, sondern nur 
einen künstlerischen Zweck haben; so führt dies über 
die Kirchengeschichte hinaus auf eine Frage von allge- 
mein religionsgcschiclttlicher Bedeutung, wenn man nelnn- 
lieh auf den Ursprung jener Vorstellungen im Heidenthum 
selbst zurückgeht. Es fragt sich, 0b nicht auch da, an 
der Quelle der Mythenbildung, manche Vorstellungen 
der heidnischen.Götterlehre ursprünglich eine nur künst- 
lerische Geltung gehabt haben, das heisst nur Produkte 
des künstlerisch bildenden Geistes sind, unbeschadet des 
reinen religiösen Glaubens und erst später in diesen Glau- 
ben eingedrungen, also Dogmen geworden sind. Denn 
der Geist der griechischen Nation war wesentlich künst- 
lerisch;  der Kunst aber scheint es wesentlich, dass 
sie, wie sie die Ideen verkörpert, so das Körperliche ver- 
geistigt, also die anorganische Natur belebt und das Le- 
bendige personificirt,  kurz dass sie mythenbildend oder 
vielmehr mythische Gestalten bildend sich verhält.  Auf 
jene Frage weiter einzugehen, ist nicht dieses Ortes; 
aber einen Beitrag zu ihrer Lösung können die im Fol- 
genden zu erörternden mythologischen Erscheinungen der 
christlichen Kunst geben. Umgekehrt aber muss man jenen 
Charakter der Kunst, dass sie mythenbildend sich ver- 
hält, bei diesen Erscheinungen sich vergegenwärtigen, 
um nicht ungerecht gegen das Vorkommen derselben in 
der christlichen Kirche zu sein.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.