Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1026655
491 
von Auxerre sieht 1). Eine Darstellung derselben findet 
sich vielleicht an der goldenen Pforte zu Freiberg, die 
wahrscheinlich dem Anfang des dreizehnten Jahrhunderts 
angehört 2): am untern Theil derselben stehen nämlich 
acht Bildsäulen, fünf männliche, unter denen wenigstens 
David und Johannes d. T. sicher erkennbar sind, und 
drei weibliche. Da nun dieser Theil die Vorläufer Christi 
und Verkünder seines Werks enthält, während der obere 
Theil, der Bogen der Pforte, in das Neue Testament führt 
und das Wirken Christi darlegt; so lässt sich wohl an- 
nehmen 3), dass durch die drei (nicht vier) gekrönten 
Frauen zwischen den Männern des Alten Testaments 
Sibyllexi als Prophetinnen aus dem Heidenthum vorgestellt 
sind.  Auch die weiblichen Figuren, welche an der 
Kanzel zu Siena, dem Hauptwerk des Nicola Pisano (1267), 
acht an der Zahl, um die mittlere Säule des Filssgestells 
sitzen, hat man für Sibyllen genommen  eine Erklärung, 
der aber mit Grund widersprochen ist 4). 
Häufig sind sie seit dem funfzehnten Jahrhundert 
gebildet. Der Glockenthurm zu Florenz, dessen Bau im 
1) Didron Iconogr. chret. Hist. de dieu p. 317. not. 
2) Doch setzt v. Quast im Tüb. Kunstblatt 1845. S. 226. die 
ganze goldene Pforte in die zweite Hälfte des 13. Jahrln, und 
v. Quundt Beob. u. Phuntas. über Menschen, Natur u. Kunst 
auf einer Reise in's mittäg. Frankreich S. 390. findet, dass die 
in Rede stehenden Statuen einer spätem Zeit und einem andern 
Stil angehören, als die Sculpturen in den Bogen. 
3) Nach Waagen Kunstw. u. Künstler in Deutschl. T. I. S. 10. 
 Stieglitz u. Puttrich Die goldene Pforte des Doms zu 
Freiberg (in den Deukm. der Baukunst des M. A. in Sachsen 
Abth. I.) S. 7. 17. haben diese weiblichen Bilder nicht zu er- 
klären gewusst; v. Qunst a. a. O. deutet zwei von ihnen als 
die Königin von Sabu und die Braut des Hohenliedes (die 
Ecclesia). 
4) S. E. Förster Beitr. zur neuern Kunstgescli. S. 54.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.