Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1026619
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welche unter anderm die Sage von der Tiburtinischen 
Sibylle (deren Weissagung in die Verse des Akrostiehon 
aus Augustinus gekleidet wird) und der Vision -des 
Augustus berichtet. Dazu kommen mehrere Miniatur- 
bilder aus dem vierzehnten Jahrhundert: namentlich in 
dem Speculum humanae salvationis zuerst vom J. 1324 
bei der vorhin angeführten Beschreibung l). Und in einem 
weltlichen Roman aus der Zeit um 1397, dem Brief der 
Othea an Heetor von der Christine de Pisa: auf alle die 
Bilder aus der Heroengeschichte folgt zuletzt das der 
Cunianischen Sibylle (wie sie hier genannt wird), welche 
dem in einer Landschaft knieenden Augustus die in den 
Wolken erscheinende Maria mit dem Kimle zeigt 2). 
Häufig ist im funfzehnten Jahrhundert diese Sccne aus- 
geführt. Vornehmlich haben die niederländischen Meister 
in Altargemälden der christlichen Hauptvorstellting jene 
Erscheinung zur Seite gestellt. Zuerst Johann van Eyck 
in seinem unvollendeten Marienbilde vom J. 1545, welches 
sich ehedem im Chor der St. Martinskirche zu Ypern be- 
fand, und wovon eine Copie noch vorhanden ist 3): das 
 In den verschiedenen Drucken aber ist das Bild verschieden. 
In der einen der beiden oben S. 150. erwähnten Ausgaben, der 
lateinisch-deutschen, sitzen auf einer Bank einander gegenüber 
die Sibylle in grünem, der Kaiser in rotbem Gewande mit dem 
Seepter in der Linken: zwischen beiden in der Höhe erscheint 
Maria in halber Figur mit dem Kinde, beide mit dem Nimbus, 
in einem gelben Bund, rechts und links davon Sonne und Mond 
als Gesichter. In der lat. Ausgabe aber ist die Scene auf einem 
Berge, oben zur Linken die himmlische Erscheinung, vor Welcher 
sowohl die Sibylle als der Kaiser knieen, derselbe hat das 
Scepter zur Erde geworfen und hebt die Hände anbetend empor. 
1) In der Gothaer Hdsclir. bei Bathgeber Annalen der Nieder- 
länd. Mal. S. 32. s. oben S. 418. 
a) Die Copie, im Besitz des Herrn Bogaert-Dtunortier zu Brügge, 
ist bcsehr. von Passavant Kunstreise durch Engl. u. Belgien 
S. 367-369.
        

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