Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021819
vorgeschrittene Zeit sich erkennen lässt.  Es liegt aber 
auch in der Natur der Sache, dass eine ausgebildete 
Kunstübung auf die junge christliche Kunst Einfluss er- 
hielt, dass die Christen, wiewohl sie die Vorstellungen 
der antiken Kunst bei Seite setzten, die Technik der Al- 
len, so wie sie zu ihrer Zeit noch geübt wurde, nach- 
ahniten und sich aneigneten.  S0 ist allerdings, was 
die Kunstform betrifft, nicht ein Sprung oder" ein Abfall 
von der antiken zur christlichen Kunst, sondern eine con- 
tinuirliche Entwickelung. 
4. Jedoch nicht bloss in der Knnstform, sondern auch 
in dem Inhalt, den Vorstellungen der Kunst. Und das ist 
der Punkt, an dem unsere eigentliche Aufgabe (in diesem 
ersten Bande) anhebt. 
Denn Form und Inhalt lassen sich in den zeichnenden 
Künsten nicht durchaus trennen: es giebt ein Gebiet, auf 
dem es zweifelhaft sein kann, 0b etwas heidnisch gedacht 
oder nur künstlerisch geformt ist. Wenn der Mond als 
ein Gesicht in einem Kreise mit der Sichel gezeichnet 
wird, so fragt es sich, ob dadurch die Göttin Luna an- 
gedeutet sein soll, oder die Flache des Mondes mit ihren 
Bergen und Thälern, aus denen man die Züge eines Ge- 
sichts zusammenschaut. So konnte die christliche Kunst 
daZtl kommen, indein sie überlieferte Formen der antiken 
Kunst aufnahm, dass sie an heidnische Gedanken streifte. 
w Aber der Gebrauch heidnischer Kunstvorstellungen bei 
den Christen geht weiter: nicht selten haben hier heid- 
nische und christliche Motive sich gemischt. 
Es ging darin mit der Kunst nicht anders, als auf 
andern Gebieten des geistigen und sittlichen Lebens. Auch 
die christliche Wissenschaft ist von Anfang an zwar im 
Gegensatz mit der heidnischen Weltweisheit erwachsen. 
Nichtsdestoweniger empfing die Kirche nicht nur die 
Form der Wissenschaft, das heisst wissenschaftlichen Geist
        

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