Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1026543
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Sibyllen als Prophetinnen im dreizehnten Jahrhundert, in 
welchem überhaupt ein Wendepunkt in dem Gebrauch dieser 
Vorstellung eingetreten zu sein scheint. Namentlich führt 
Thomas von Aquino in der Frage von dem Glauben der 
Heiden die Sibylle an als ein Beispiel, dass vielen Heiden 
durch Engel Offenbarungen zu Theil geworden, da jene 
deutlich von Christus geweissagt habe,  wofür er sich 
auf Augustin beruft 1). Heinrich von Meissen (Frauenlob) 
beruft sich mehrmals auf die Sibylle 2). Und Thomas von 
Celano singt zu Anfang der berühmten Sequenz vom 
jüngsten Gericht: 
Dies irae, dies illa 
Solvet. seclum in favilla, 
'l'este David cum Sibyllu a). 
Dieser Thomas war eins der ersten Mitglieder des Fran- 
ciskanerordens. Demselben Orden aber ward in der Mitte 
des dreizehnten Jahrhunderts das Kloster von S. Maria in 
Capitolio übergeben,  an welche Kirche sich eine nicht 
lange vorher entstandene, auch in kunstgeschiehtlicher Hin- 
sieht bedeutsam gewordene Sage von der Tiburtinischen 
Sibylle knüpft,  womit der Name dieser Kirche S. Maria 
Araceli zusammenhängt. 
Erstens nehmlich wird berichtet, Kaiser Augustus 
hahe die Pythia befragt, wer nach ihm herrschen werde, 
worauf sie anfangs keine Antwort, dann aber die Weisung 
gegeben: er solle schweigend von ihren Altären sich 
i 
1) Thom. Aq. In Sentent. Lib. III. Dist. XXV. quaest. II. art. 2. 
Solut. qu. 2. ad 3. und Secunda Secundae, quaest. II. art. 7. 
ad 3. 
2) von der Hagen hlinnes. Th. 3. S. 391. a. 361. b. 
a) S. oben S. 476. die Einweisung auf den Böm. Clemens. Vergl. 
Mohnike Kirchen- und liuerarhist. Stud. u. Mittheil. Bd. I. 
S. 53 ff.
        

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