Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021800
neue Basis gelegt werden musste), als auch, dass die 
Anfänge der Kunst symbolischer Art waren, woraus erst 
die eigentliche Darstellung hervorging. 
3. Wenn aber auf der einen Seite feststeht, dass die 
christliche Kunst, aus einer neuen Lebensquelle schöpfend, 
von vorn angefangen und selbständig sich entwickelt hat, 
indem ihre Vorstellungen mit denen der antiken Kunst 
im Gegensatz stehen und sie ausschliessen; so darf andrer- 
seits der Einfluss nicht verkannt werden, den eben diese 
Kunst von Anbeginn auf die christliche geübt hat. 
Derselbe lässt sich schon daraus abnehmen, dass die 
christliche Kunst gleich in den Entwickelungsgang der 
antiken Kunst aufgenommen erscheint, da sie, in dem 
Zeitalter der sinkenden Kunst auftretend, sofort an diesem 
Sinken Theil nimmt. Wobei sich der merkwürdige Wider- 
spruch zeigt, dass während die Kunstideen, als dem eigen- 
thümlich christlichen Gebiet angehörig, sich entwickeln und 
ausbreiten, die Kunstform schwächer und roher wird 1),  
so dass gerade an dem Rückschritt der Kunst die weiter 
1) Einen Beweis, wie beides früher verkannt worden, das erstere 
ganz, das andere in seiner geschichtlichen Bedingtheit, giebt 
Heyne, Serioris artis opera sub imper. Byzant. (Comment. 
societ. scient. Gotting. VOI.XI.) p. 41 sq., wo er die Ursachen 
des Sinkens der Kunst unter den christlichen Kaisern erörtert. 
Da hebt er besonders hervor: die Sculptur sei gänzlich herunter- 
gekommen vermöge der Gegenstände, auf die sie beschränkt 
worden. Die neue christliche Religion habe mit dem Hass des 
alten Aberglaubens die Künstler von dem Gebrauch der alten 
Fabeln, wodurch die Kunst vorher geblüht habe, ausgeschlossen   
Aber ohne Vorstellung von Göttern gebe es keine erhabenere 
Kunst u. s. w.; demnach hätten auch die byzantinischen Bild- 
hauer nichts als Bilder der Kaiser und berühmter Männer her- 
vorgebracht;  ein Urtheil von auffallender Oberflächlichkeit, 
welches eben so sehr die Aufgaben der Kunst überhaupt, als die 
Leistungen der christlichen Kunst insbesondere ausser Augen setzt.
        

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