Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021799
hallpt ein solcher Uebergang, eine Versinnlichung des 
gßiSlig Angeschauten ist. 
Nun ist es aber von Anbeginn ein Grundgesetz des 
Christlichen wie alles organischen Lebens, dass es sich 
VOH innen nach aussen durchbildet: dass dasWort im 
Grunde des Lebens empfangen wird und wächst, wenn 
eS aber den inneren Menschen umgebildet hat, dass es 
dann auch äusserlich wird und alle Gebiete menschlicher 
Thätigkeit, des schaifenden wie des darstellenden Geistes 
erobert.  So musste man auch in der ersten Kirche die 
göttlichen Dinge sich zu eigen machen, bevor man sie 
Zeigen, man musste geistig sammeln, bevor man künst- 
lerisch ausstreuen konnte. Wie nach einem Wort des 
Gregor von Nazianz die That die Vorstufe der Erkennt- 
niss ist 1), so ist auch die That (die Innerlichkeit des 
Christlichen Lebens) die Vorstufe der christlichen Kunst 2). 
Hieraus erklärt es sich, sowohl, dass man in der 
Kirche nicht gleich mit Ausübung der Kunst anfangen 
konnte (für welche erst in dem Leben der Kirche eine 
L 
I) Gregor. Naz. Orat. XX. o. 12. p. 383. d.: noügzg ydcg ävzi- 
(30161; ßsmgimg. 
z) Hiernach kann ich einem Grundgedanken in der trelllichen Ah- 
handlung von Grüneisen, Von den Ursachen und Grenzen des 
Kunsthasses in den drei ersten Jahrhunderten nach Christus 
(Kunstblatt 1831. No.29. S. 115. 116.) , nicht beistimznen, wenn 
diesen Jahrhunderten Schuld gegeben wird, es sei das schone 
Verhältniss der Religion zur Kunst beinahe ganz verkannt wor- 
den, und dafür die Erklärung gegeben wird: es sei zwar nicht 
in den Aposteln, aber in ihren Nachfolgern die Idee des Wesent- 
lichen und Zufälligen dermaassen auseinander getreten, dass bei 
der Anwendung der innersten Grundsätze des Christenthums auf 
das sociale Leben, auf die Wissenschaft, auf die Kunst, An- 
sichten zum Vorschein kamen, die nicht reine Fortbildung des 
ursprünglichen Elements waren, sondern durch Missverständniss 
der Natur der Verhältnisse diese Fortbildung aufhielten.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.