Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1026373
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Während aber in den eben bezeichneten Vorstel- 
lungen der Phönix ein Wahrzeichen des ewigen Lebens 
ist, welches die Gläubigen sowohl schon haben, als 
dereinst helfen, ist er nun auch als Sinnbild des Erlösers 
vorgestellt. Und zwar entweder der Auferstehung des 
Herrn, worauf der althochdcutschc Physiologus, oder der 
Menschwerdung Gottes, worauf die Goldene Schmiede 
den Phönix bezieht. 
Diese christologisehe Bedeutung des Bildes erhellt 
aus der Zusammenstellung des Phönix mit dem Pelican. 
Was den letztern betrifft, so kommt derselbe zwar in 
der altehristliehen Kunst, auf den Denkmälern der Kata- 
komben, nicht vor. Er wird aber erwähnt von dem 
griechischen Physiologus 1), dass er seine Jungen mit 
seinem Blut vom Tode erweckt und so ein Bild Christi 
ist. Und seit dem zwölften Jahrhundert ist das Bild bei 
den deutschen Dichtern sehr beliebt 2). 
Demnächst sind diese beiden Vorstellungen gegen 
Ende des dreizehnten Jahrhunderts auch von der bilden- 
den Kunst aufgenommen. Den Pelican, der seine Brust 
mit dem Schnabel aufritzt, um die unter ihm im Neste 
sitzenden Jungen mit seinem Blut zu ernähren, und den 
Phönix, der sich selbst verbrennt, um aus seiner Asche 
verjüngt hervorzugehen, sieht man an dem Hauptportal 
der Lorenzkirche zu Nürnberg, in der linken Ecke, jenen 
unter dem Sturz der linken, diesen unter dem der rechten 
Thür (während in den beiden Ecken rechts ein Löwe 
gebildet ist und ein Vogel, dem der Kopf fehlt). Des- 
gleichen an dem Hauptportal des Dorns zu Magdeburg 
(wvahrscheinlich um 1270) erscheint unter dem Sturz der 
rechten T hiir der Pelican und gegenüber der Phönix in 
1) (Epipham) Physiolog. c. 8. T. II. p. 
2) Näheres hierüber im folgenden Bande. 
199.
        

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