Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1026253
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3. Hiernach ist denn dieser Mythus, wie er bei den 
Alten verbreitet war und durch die heilige Schrift Be_ 
stätigung zu finden schien 1), auch zu den Christen über- 
gegangen. Der erste Kirchenschriftsteller, der schon 
denselben aufgenommen hat, ist einer der apostolischen 
Väter, Clemens Bomanus. „Der alte Phönix, sagt er 2), 
bereitet sich sein Grab aus Weihrauch, Myrrhen und 
anderen Gewürzen, in welchem er stirbt. Aus seiner 
Verwesung entsteht ein Wurm, der sich mit den Ueber- 
bleibseln des todten Vogels ernährt, bis ihm die Fittiche 
gewachsen sind; dann bringt er das Grab mit den Ge- 
beinen aus Arabien nach Heliopolis, legt es auf den 
Altar der Sonne nieder und fliegt darauf zurück. Dieses 
geschieht nach den Beobachtungen der Sonnenpriester 
jedesmal, wenn fünfhundert Jahre verflossen sindß  
Andere erzählen die Geschichte mit einigen Abweichungen; 
meist setzen sie dieselbe als bekannt voraus.  Einige 
äussern auch Zweifel an der Fabel (wie bei den Alten 
sogar schon Herodot und stärker Tacitus),  namentlich 
Origenes 3), dann Gregor von Nazianz; von den späteren 
Griechen Maximus und Photius 4) wird sie ganz ver- 
1) Diese zwiefache Quelle desselben zeigt Ambrosius an, De 
lid. resurrect. c. 59. T. II. p. 1149: hoc relatione crebra et 
scripturarum auctoritate cognovimus. 
2) Clem. Rom. Epist. I. ad Corinth. c. 25. Münter a. a.O. S. 96. 
3) Origen. c. Cels. IV, 98. Opp. T. I. p. 576. c. Er erwähnt 
die Geschichte aber nur in Beziehung auf die von dem Celsus 
geltend gemachte Pietät des Vogels gegen seinen Vater, dass 
er dessen Leichnam in Myrrhen gehüllt nach Aegypten bringe 
und im Sonnentempel niederlege. 
4) Photius macht es (Cod. 126. p. 95, 27. ed. Bekker) dem 
Römischen Clemens zum Vorwurf, dass er den Phönix für ein 
so wahrhaftes Kennzeichen (der Auferstehung) hält.  Die 
Stellen des Gregor, Augustin und Maximus werden sogleich 
nachgewiesen werden. 
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