Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1025877
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wegen der darüber befindlichen Figuren des Sol und der 
Luna noch weiterhin (S. 48.) näher zur Sprache kommen 
wird, Unter dem Kreuze nun sieht man die Wölfin, 
welche den Bomuhis und Remus saugt, mit der Unter- 
schrift ROMULUS ET REMULUS A LUPA NUTRITI. 
Diese Vorstellung in dieser Composition ist einzig in 
ihrer Art. Es ist klar, dass die Zwillinge sammt der 
Wölfin, indem sie auf die Stiftungssagen von Rom hin- 
weisen, zunächst die Stadt bedeuten, aber auch das rö- 
mische Reich bezeichnen können. Was bedeutet es aber, 
dass das Crucifix auf dieser Wöllin steht? Schwerlich, 
dass Rein oder mit andern Worten das Papstthum Grund 
und Mittelpunkt der Kirche geworden 1). Wenigstens 
wäre es nicht im Interesse desselben, die römische Kirche 
durch eine saugende Wölfin zu symbolisiren. Vielmehr, 
wenn man vergleicht, was sich sonst unter dem Kreuze 
abgebildet findet, nehmlich eine Schlange, auch ein 
Schädel, so will das sagen, der Herr habe durch sein 
Leiden am Kreuz über Tod und Hölle triumphirt. Also 
wenn über der Boma, wie sie durch ihre heidnischen 
Stifter charakterisirt ist, das Bild des Gekreuzigten auf- 
gerichtet steht; so ist der Sinn, dass das Kreuz triumphirt 
hat über die römische Weltherrschaft und auf den Trümmern 
des heidnischen Staats die christliche Kirche erstanden ist. 
Jenes Bild von der Roma aber ist auch sonst in dieser 
Zeit plastisch ausgeführt worden. Denn wahrscheinlich 
gehört in dieselbe die Gruppe Romulus und Reinus bei der 
Wölfin, diese in grauem, die ersteren in weissem Marmor 
gearbeitet, in der K. Antikensatnmltmg zu Dresden 2). 
I) Wie Buonarroti unter andern meint, Vasi di vetro p. 268. 
auch bei Gori Thes. diptych. T. II. p. 171. 
2) (Leplat) Becueil des marbr. antiq., q. s. t. dans 1a galerie ü 
Dresden P1. 147. (Hase) Verzeichn. der Bildwerkeain der 
K. Antikensammlung zu Dresden. 3. Aufl. 1833. S. 14. n. 56.
        

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