Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1025867
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das behelmte Brustbild der Roma mit der Aufschrift 
INVICTA BOMA zeigt. 
Also damals noch wurden die von der Wölfin er- 
nährten Zwillinge für ein Emblem des alten Rom gehalten, 
und zwar zu einer Zeit, als schon an die Fabeln der My- 
thologie unter dem Einfluss der neuen Religion nicht mehr 
geglaubt wurde. Indem Eckhel (a. a. O.) hierauf auf- 
merksam macht, bemerkt er: doch habc ganz unschädlich 
geglaubt werden können, dass auch ohne Hülfe der Götter 
dem Kinde diese mütterliche Sorge von dem wilden Thiere 
gewährt sei, da in derselben Zeit während des gothischen 
Krieges unter Justinian zu Urbssalvia im Piccnischen etwas 
Aehnliches sich begeben,  wovon wir den Bericht eines 
Augenzeugen 1) haben. Ein neugeborenes Kind war von 
seiner Mutter, die in der Kriegsnoth sich flüchtete und 
auch nicht wiederkehrte, in den Windeln auf der Erde 
liegen gelassen: auf das Geschrei des Kindes kam eine 
Ziege herbei, die eben geboren hatte, saugte dasselbe 
von Zeit zu Zeit und bewahrte es, dass kein Hund oder 
wildes Thier ihm schade; worauf das Kind auch später- 
hin, als Frauen herbeikamen und es nähren wollten, von 
ihrer Brust keine Nahrung annahm: von dieser merk- 
würdigen Erhaltung gaben die Einwohner ihm den Namen 
Aegisthus.  Uebrigens ist in diesem Gepräge nur der 
antike Typus beibehalten auf Denkmälern, die weder ein 
christliches Kennzeichen haben, noch eine kirchliche Be- 
stimmung gehabt. 
2. Desto merkwürdiger durch beides ist ein anderes 
Denkmal mit diesem Bilde aus dem neunten Jahrhundert. 
Es ist das berühmte Diptychon der Agiltruda mit dem 
Bilde des Gekreuzigten (s. oben S. 22. n.  welches 
1) Des Procopius, 
ed. Bonn. 
Bell. 
Goth. 
Lib. 
214.
        

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