Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1025828
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dem Anfang des zwölften Jahrhunderts, die schon vorhin 
(S. 388.) wegen der Sirenenfigur erwähnt sind. Und zwar 
in folgenden vier Momenten 1): Pyramus findet den Löwen; 
 er schlägt auf den Löwen los, der Thisbe's Gewand 
im Maul trägt, Thisbe sitzt indessen auf einem nahen 
Baum;  Thisbe beklagt den todten Pyramus;  sie 
stürzt sich über ihn in das aus seinem Leibe hervor- 
agende Schwerdt. Ohne Zweifel ist das Thema dieser 
Vorstellungen im Sinne des Künstlers, der sie in der 
Kirche anordnete: wie der Löwe durch den täuschenden 
Schein, den er hervorbringt, beide Liebende in's Ver- 
derben stürzt,  und es soll dadurch vor den Täuschungen 
des Bösen gewarnt werden. S0 erscheint dieses Bildwerk, 
welches an der dritten Säulengruppe sich befindet, nicht 
ohne Zusammenhang mit den Vorstellungen der beiden 
ersten Säulengruppen: die erste nehmlich zeigt den 
Sündenfall der ersten Eltern und ihre Verstossung aus 
dem Paradiese, die zweite Kämpfe zwischen Rittern und 
Ungeheuern;  alle drei stellen also geschichtlich oder 
sinnbildlich theils Ursprung und Folgen der Sünde, theils 
Gewalt und List des Bösen vor Augen. 
Aber auch die Ohnmacht des Bösen ersieht man, 
wenn nur der rechte Held erscheint,  wie solches nach 
der Heroenfabel bildlich vorgestellt ist in einer der Zeich- 
nungen, mit welchen Albrecht Dürer im J. 1515 ein 
Gebetbuch geziert hat (s. oben S. 299.). Hercules an 
einem Baum stehend, nackt, mit Schild und Keule, zu 
seinen Füssen der getödtete Löwe,  das Bild steht am 
Bande des XCVI. Psalms, welcher anfängt: Cantate domino 
1) Beschreih. des Münsters zu Basel. 1842. S. 17. Vergl. Otte 
Ueber die Deutung der Thiergestalten an den Kirchengebäuden 
des M. A., in den N. Mittheil. des Thür. Sächs. Vereins Bd. VI. 
H. 1. S. 54.
        

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