Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1025813
407 
Der 
Löwe. 
Solche Vorstellungen von Satyrn wie von Centauren 
und Sirenen hängen zusammen mit einer allgemeinen 
Richtung, von der so viele Denkmäler in den Kirchen 
des Mittelalters Zeugniss geben, den Kampf des Reiches 
Gottes mit der Welt, die Versuchungen, welche die 
Gläubigen zu bestehen haben, zur Anschauung zu bringen. 
Meist sind es Thiere, durch welche die Gewalt oder List 
des Feindes abgebildet wird,  und zwar nach Gleichnissen 
der heiligen Schrift. S0 heisst es ja von den Füchsen, 
dass sie den Weinberg verderben (Hohel. II,  und 
von dem Wolf, dass er die Schaafe erhaschet und zer- 
streuct (Joh. X,  
S0 ist auch der Löwe neben andern Bedeutungen, 
die er hat, als ein Symbol des Teufels genommen, nach 
den Worten des Apostels (i. Petr. V,  euer Wider- 
sacher der Teufel gehet umher wie ein brüllender Löwe 
und suchet, welchen er verschlinge. Hiernach sind z. B. 
an den Fensterbänken im Dom zu Worms Löwen ge- 
bildet, welche Menschenköpfe im Rachen tragen. Dieses 
wird weiter zu verfolgen sein in der Symbolik der christ- 
liehen Kunst. Aber zwei Bildwerke will ich gleich hier 
nicht unerwähnt lassen, in welchen diese Bedeutung des 
Löwen in Scenen der heidnischen Fabel übertragen ist. 
In dem einen ist eine Fabel des Alterthums benutzt, 
nach der Rolle, die der Löwe darin spielt,  um in 
ihm den Widersacher von einer andern Seite, nehm- 
lich nicht der Gewalt, sondern des Truges, sehen zu 
lassen. Das ist die Geschichte von Pyramus und Thisbe, 
welche zuerst Ovid erzählt 1). Sie ist abgebildet im 
Münster zu Basel, an einer der Säulen des Chors aus 
O v i d. Bletam. 
55 -166.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.