Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1025589
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Alanus kommt gleichmssweise auf sie zu reden, indem 
er seiner Zeit einen Spiegel verhält: einige Töchter des 
alten Götzendienstes, sagt er, wie der Bauchdienst (Bacchi- 
latria), der Mammonsdienst (Nuinmulatria), suchen jetzt 
die Herrschaft ihrer Mutter wiederherzustellen; und unter 
feindlicher Freundschaft gleich den Sirenen, die bis zum 
Untergange lieblich sind, durch süsse Melodie berauschend, 
führen sie ihren Liebhaber zum Schiffbruch des Götzen- 
dienstes 1).  Hiernach wird in der goldenen Schmiede 
von Conrad von Würzburg um 1280 den Lochungen der 
Sirene die Wirksamkeit der h. Jungfrau entgegengesetzt: 
swaz diu syröne trügesaln  
versenken wil der schiffe 
mit süezer doene grilfe, 
diu leitest, vrowe, dü .ze slzade 2). 
Sinnreich schildert Dante 3) unter dem Bilde der 
Sirene geradezu die Welt (die auch als Frau Welt bei 
deutschen Dichtern persönlich aufgefasst und von der 
bildenden Kunst dargestellt ist) 4),  deren Täuschungen 
durch ein heiliges Weib, die Wahrheit, aufgedeckt werden. 
In einem Traumgesicht nehmlich auf dem Berg der Bei- 
nigung sieht er ein Weib vor sich stehen, verstümmelt, 
fahl, schielend, die aber von seinem Blick belebt Gestalt 
und Farbe bekommt und nun ein Lied beginnt: 
„Ich der Sirenen Süsseste", so klang es, 
„Ich bin's, durch die vom Weg der Schiffer schweift; 
Denn wer mich hört, ist voll des Wonne-Dranges, 
Mir folgf Ulyss, der lang umhergestreift, 
Und wie Entzücken ihn und Wollust kirren, 
Verlässt mich Keiner, der mich ganz begreift." 
1) Alanus De planctu nat. Opp. p. 304. 
2) v. 148-151. herausgegeb. v. W. Grimm S. 5. 
3) Dante Infern. XIX, 7 (f. 
4) Wovon im folgenden Bande gehandelt werden. 
vergl. 
LIII.
        

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