Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1025424
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3. Von besonderem Interesse ist es, wenn in einem 
und demselben Gemälde Genien und Engel vorkommen, 
woraus sich die Bedeutuug der erstern, wie sie mit den 
Engeln in Gegensatz, aber auch in Parallele gebracht sind, 
ableiten lässt. 
Sie werden aber den Engeln gegenübergestellt (ab- 
gesehen von dem Fall, da sie nur als Verzierung geilen) 1) 
nicht nur in allegorischer, sondern auch in geschichtlicher 
Bedeutung. 
Eine geschichtliche Existenz haben sie, wenn sie als 
Wesen einer Religion, die einst herrschend war, dann 
dem Christenthum gewichen ist, aufgefasst und so jenen 
prophetischen Frauen, die an der Grenze beider Religionen 
stehen, zur Seite gestellt werden. Das zeigt sieh in einer 
Handschrift der K. Bibliothek zu München mit den ZWÖlf 
Sibyllen 2), deren Bild in der Regel durch zwei Säulen 
eingerahmt ist: an diesen sind zweimal, bei der Siliylla 
Libica und der Agrippa (Bl. 2. b. 9.  nackte, geüügtßltiv 
Knaben, auch ist ein solcher bei der Delphisehen Sihylle 
an ihrem Sitz (B1. 10. b.) vorgestellt.  Wie nun Sibyllen 
und Propheten, als Repräsentanten des Heidenthums und 
Judenthums, die aber auf das Christenthum hinweisen, 
häufig (und so auch in der eben genannten Handschrift) 
neben einander gestellt sind; so finden sich auch in deren 
Begleitung Genien und Engel, einander gegenüberstehend, 
 eine Unterscheidung, die namentlich Michelangelo 
beobachtet hat in den Deckengemälden der Sixtinischen 
l) S0 enthält in einer für Papst Paul III. im J. 1542 verfertigten 
Psalmodie ein Miniaturbilll, welches die Schöpfung von Sonne 
und Mond vorstellt, nebst der gegenüberstehenden Seite in 
den Randmalcreien zwölf Engel und vier Genien symmetrisch- 
arabeskenartig angeordnet, s. Waagen Kunstw. u. Künstler in 
Paris S. 395. 
2) CIITI. 44. s. unten S. 43. 
        

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