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personiiicirte Stadt Jerusalem, die ihn um Hülfe an-
ruft 1).
Dagegen sieht man auch Genien in allegorischer
Bedeutung am Rande christlicher Malereien, mit diesen in
innern Zusammenhang gebracht. Vor allem in den Loggien-
gemalden RaphaePs, in denen Alttestamentliche Ereignisse
mit kämpfenden Genien bedeutsam eingefasst sind; so
haben auch in Albrecht Dürer's „ehrisllieh-mythologischen
Handzeichnungenß vom J. 1515 die dort häufig erschei-
nenden Genien mehrmals zu dem biblischen Text eine
sinnige Beziehung. Insbesondere hat man diesen F lügel-
knaben, wie sie anderswo als Schildknappen verwendet
sind, edlere Instrumente in die Hand gegeben, nehmlich
die Werkzeuge der Passion, und so mit ihnen Vorstel-
lungen aus dem Leben Jesu eingefasst. Als solche er-
scheinen sie bei Mantegna auf dem Rande eines Gemäldes,
dessen Mitte Maria mit dem Kinde einnimmt, in der Gal-
lerie zu Berlin (n. desgleichen bei Lucas Cranaeh
am Rande einer Kreuzigung in dem Jenaer Evangeli-
starium 2).
Merkwürdigerweise aber sind in einem Seitenstück
zu dieser Kreuzigung aus den Genien Engel geworden:
die Jenaer Handschrift der Festepisteln nehmlich, welche
mit jenem Evangelistarium für den Churfürsten Friedrich
den Weisen verfertigt worden, hat auch zu Anfang ein
grosses Bild, eine Grablegung, an dessen Bändern ge-
flügelte Figuren vorgestellt sind, ebenfalls zum Theil
mit Passionswerkzeugen, jedoch sämmtlieh bekleidet, als
Engel.
d'Agincou1-t Pittur. Tav. LXXX. Platner
Von den hier erwähnten Malereien Raphae
Cranaclfs s. obelf S. 296. 299. 298.
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und