Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1025188
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Im 
christlichen 
Alterthunl. 
i. Die Kirchenlehrer hatten frühzeitig Veranlassung 
über die Genien sich auszusprechen. Denn es wurde 
unter der Herrschaft des Heidenthums den Christen an- 
gesonnen, auch dem Genius des Kaisers zu opfern und 
bei demselben zu schwören 1), ein Schwur, der in einer 
Zeit, als an die Stelle frommer Verehrung der Götter 
knechtische Menschenfurcht getreten war, für höher galt 
als selbst der bei Jupiter und allen Göttern 2). Und als 
die Christen sich weigerten, Handlungen vorzunehmen, 
die sie für götzendienerisch erkannten, war dies den 
Trabanten einer despotisehen Gewalt eine willkommene 
Gelegenheit, sie der Majestätsheleidigung zu zeihen. Da- 
gegen ergriffen die Apologeten das Wort. Sie wahrten 
den Gehorsam und die Treue der Christen gegen das 
Staatsoberhaupt; in Betreff der Genien aber leugneten 
sie, im Zusammenhang ihrer allgemeinen Ansicht von den 
heidnischen Göttern (s. oben 5.  zwar nicht deren 
Existenz, erklärten sie vielmehr für böse Geister: sie 
seien es, von denen die Besessenen gequält würden, sie 
hatten aber überhaupt über die nicht wiedergeborenen 
Menschen Gewalt, welches man an die Lehre von der 
Erbsünde anknüpfte 3). In diese Kategorie wurde selbst 
der Dämon des Sokrates gestellt 4). 
1) Dies kommt zuerst vor in der Verfolgung, welche den Polycarp 
auf den Scheiterhaufen brachte, s. den Brief der Gemeinde zu 
Smyrna bei Euseb. Hist. eccles. IV, 15. ed. Burton T. I. p. 258. 
Q) 'l'ertullian. Apologet. c. 28. 
3) Tertullian. De anim. e. 39. 
4) Minuc. Fel. Octav. c. 26. vergl. c. 38. Tertullian. De 
anim. c. 1. 39. Apologet. c. 22. 46. Lactant. Div. instit. 
Lib. II. c. 15. Auch Augustin. De civ. dei Lib. VIII. c. 14. 
gieht als seine Meinung zu erkennen, man dürfe dem Sokrates 
zu der Freundschaft seines Dämon nicht Glück wünschen.
        

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