Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1025132
339 
Götterversammlung seine Blitze schleudert, ist ebenfalls 
von Giulio Romano im Palast del Te zu Mantua und von 
Perino del Vaga im Palast Doria zu Genua dargestellt. 
Die Hauptvorgänge aus der Ilias liess Giulio Romano im 
Herzogl. Schloss zu Mantua, und sein Schüler Primaticcio 
in Fontainebleau die Hauptvorgänge aus der Odyssee aus- 
führen,  aus welcher früher Baldassare Peruzzi an 
eiuem Hause in Rom Bilder angebracht hatte. 
Ganz das Gegentheil von dieser cyklisehen Behand- 
lung antiker Mythen, welche eine historische Auffassung 
im grossen Styl reprasentirt, wurden zumal in der zweiten 
Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts die Mythen in Um- 
gebungen eingeführt, wodurch sie entweder einen idyl- 
lischen oder einen spiessbürgerlichen Character (man kann 
es nicht anders nennen) erhielten. Da steigen sie aus 
der iibergeschichtlichen Sphäre in die Landschaft und in 
das alltägliche Leben herab und werden zu einem Mittel 
herabgesetzt, das eine oder das andere zu heben. 
Erstens nehmlieh die im sechzehnten Jahrhundert 
sich entwickelnde Landschaftsmalerei, die anfangs nur in 
untergeordneter Stellung zur Ausschmückung geschicht- 
licher Scenen hervorgetrcten war, nahm umgekehrt, als 
auch die Landschaft zur Hauptsache gemacht wurde, 
mythologische wie kirchliche Scenen als Stalfage auf,  
wodurch sie, wie es scheint, eines Zusammenhangs mit 
den bisher geltenden Kunstideen sich versichern wollte. 
Man mochte glauben, dass der poetische Reiz der Land- 
Schaft erhöht werde durch die Poesie, welche dem Mythus 
eingehaucht ist, und da dieser in eine Zeit hinausweiset, 
welche aller Geschichte vorangeht, dass von dem magischen 
Licht des goldenen Zeitalters, in welchem die Götter mit 
den Sterblichen verkehrten, einige Strahlen auf das Ge- 
mälde fallen möchten. Von der andern Seite, da die 
Natur heute dieselbe ist, wie in der mythischen Zeit, 
22 4'
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.