Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1024946
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fort, die im Kreise wie der Natur, so des menschlichen 
Lebens ihr erwachsen 1),  eine Richtung, die schon 
vorher, selbst im Bereich kirchlicher Vorstellungen sich 
ankündigte, als statt christlicher Charaktere gefühlvolle 
Gestalten, auch Scenen aus dem Familien- und Volksleben 
vorgeführt wurden. Es machte das Leben Anspruch ge- 
schildert zu werden in der sinnlichen wie in der geistigen 
Sphäre, nach der Schönheit und Beweglichkeit der ein- 
zelnen Erscheinung, wie nach den beseelenden Ideen und 
den Kräften, welche die geschichtlichen Verwickelungen 
beherrschen. Solches aber War zum grossen Theil in 
dem alten Heroen-und Göttermythtis ausgeprägt und in 
den Denkmälern des Alterthums sichtbar; es hatten diese 
Gebilde sammt dem Mythus den Charakter der Noth- 
wendigkeit; dergleichen konnte nicht zum zweitenmal 
willkürlich geschaffen werden. S0 boten der Kunst, als 
sie der neuen Aufgaben inne ward, die mythischen Vor- 
stellungen sich dar, die der Musen und Grazien, von 
Amor und Psyche, von Hercules und Prometheus und so 
viele andere,  zu deren Darstellung in der kirchlichen 
Kunst kein Raum war. Diese hatte ihre Einfalt und 
Würde aufgeben und ganz verweltlichen müssen, wenn 
sie solchen Ideen sich fügen wollte:  welche Gefahr 
dazu schon vorhanden war, ist zumal aus der Vermischung 
beider Gebiete zu ersehen gewesen. Es war also im 
eigenen Interesse der kirchlichen Kunst, um ihren Charakter 
zu bewahren, dass die weltlichen Neigungen selbständige 
Vertretung, mithin auch die mythologischen Vorstellungen 
ein eigenes Gebiet in der modernen Kunstübung erhielten. 
Bei dieser Theilung der Kunst in eine heilige und 
profane kam es freilich auch dahin, dass die letztere 
nicht bloss der erstern zur Seite, sondern ihr selbst 
Vergl. 
Forsch. 
R u m 0 h r Italien. 
Tii. II. 
264. 
392.
        

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