Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1024937
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umfasst, von der bis dahin kirchlichen Kunst sich ab- 
zweigte. 
Dieses Ziel war vollkommen berechtigt, unbeschadet 
der Alleinherrschaft des Evangelium. Denn das Evangelium 
verträgt sich auch mit den mythologischen Ideen, so weit 
nicht heidnischer Wahn sie erfunden, sondern sie Reste 
einer ursprünglichen Wahrheit sind: es kann ihrer Dar- 
stellung durch die Kunst sogar religiöse Bedeutung zu- 
gestehen. Freilich ziemt es sich nicht, Gott Vater in der 
Gestalt. des Jupiter zu bilden, so wenig als den Sohn 
Gottes, die wesentliche Weisheit, gleich der Minerva, 
oder den heiligen Geist in der Gestalt des Apollo. Denn 
das Jupiterideal ist noch nicht die Idee Gott-Vaters; doch 
ist es eine Stufe dazu, ein Moment dieser Idee: jene 
vorbereitenden Anschauungen aber werden da um so 
grössere Bedeutung haben, wo eine vollendete Anschauung 
doch unerreichbar ist. Und wie die grossen Künstler des 
heidnischen Alterthums, als sie jenen Idealen Gestalt gaben, 
gewiss von Andacht durchdrungen waren; so dürfen solche 
Gestalten, wie jede Darstellung eines acht religiösen Ge- 
fühls, auch unter dem christlichen Volk noch Anspruch 
darauf machen, Andacht zu wecken,  das heisst unter 
den Gebildeten, die auf den Geist eines Kunstwerks ein- 
zugehen vorbereitet sind. 
Eine umfassendere Berechtigung, als in der Sphäre 
des Göttlichen, haben mythologische Aufgaben in der 
modernen Kunst nach der menschlichen Seite, sofern die 
mythologischen Ideen ewig gültige Typen menschlichen 
Daseins enthalten, nach seinem Urbild, wie nach seinem 
Zerrbild. Und wenigstens das erstere nach heidnischen 
Vorbildern vor Augen zu stellen, darf auch die durch 
das Christenthum hindurchgegangene Kunst sich nicht 
nehmen lassen. Nachdem die Kunst im Dienst der Kirche 
ihren Weg vollendet hatte, schritt sie zu den Aufgaben
        

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