Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1024790
Virgil ihm sprühende Augen, die Etrusker ihm Thier- 
ohren und in die Hand einen Hammer gaben, und er als 
ein gewaltthätiger Dämon auf die Bühne gebracht wurde. 
Aber auch abgesehen davon trifft den Dichter wie den 
Maler kein Vorwurf, dass sie bei einem Gegenstande, der 
nicht geschichtlich darstellbar, sondern in seiner epischen 
und malerischen Ausbreitung nur mythisch zu erfassen 
ist, mythologische Motive zu Hülfe nahmen,  da diese 
Vorstellungen des Alterthums nicht allein nichts Heid- 
nisches, das heisst Abgöttisches, enthalten, sondern auch 
in sittlichem Interesse, zur Darstellung der göttlichen 
Strafgerechtigkeit, dort verwendet werden. Dazu kommt, 
dass die Vorstellung von einer Ueberfahrt zur Hölle auch 
in dem christlichen Bilderkreise längst gegeben war, wie 
das Denkmal des Dagobert in St. Denis und die in ihm 
dargestellte Tradition beweiset. Und dies führt auf Kunst- 
Vorstellungen zurück, die schon im christlichen Alterthum 
ihren Ursprung haben,  wovon früher Rechenschaft 
gegeben ist. Um so mehr ist das Werk Michelangelds 
in seinem Recht, wenn jene Scenen als das Resultat einer 
langen Entwickelungsreihe erscheinen. 
Eine Spur derselben Auffassung Äindet sich auch in 
der neuern griechischen Kunst, wie man besonders aus 
einer Anweisung zur Malerei, der ägmyvaia m7; Cwyga- 
qmm]; des Mönchs Dionysius von Furna bei Agrapha, 
ersieht, die noch jetzt das Handbuch der griechischen 
Kirchenmaler ist: sie stammt vermuthlich aus dem funf- 
zehnten oder sechzehnten Jahrhundert, bewahrt aber ältere 
Traditionen, wie sie von den Mönchen des Berges Athos 
sogar in's zehnte oder eilfte Jahrhundert gesetzt wird 1). 
1) Diese Fgpnvaia ist erst vor kurzem bekannt gemacht in franz. 
Uebers.: Manuel diconogr. chrät. gr. et lat. avec une introd. 
et des notes par Didron, traduit du ms. Byzantin par Durand. 
Par. 1845.  S. das. p. XXXV. not. 
Piper, Mythol. u. Symbol. d. chr. Kunst. l. 20
        

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