Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1024763
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erbaut ist. Eine grosse Console an demselben, die einer 
Statue des Pat-rons der Kirche zum Postament dient, hat 
einen ausnehmenden Reichthum an Sculpturen 1), Wobei 
die heilige Geschichte und die Mythologie in gleichem 
Maasse betheiligt sind. Zur Rechten sieht man Christus 
nach der Auferstehung der Magdalena erscheinend ; Johannes 
in der Wüste; das Urtheil des Salomo; Judith und ihre 
Dienerin mit dem Haupt des Holofernes. Zur Linken sind 
ebenfalls vier Vorstellungen: Meleager mit Bogen und 
Spiess; Venus bei der Toilette mit dem Cupido; Apollo 
auf der Leyer spielend; die Friedensgöttin einen Waffen- 
haufcn anzündend. Und in einem Fries erscheinen Nessus 
und Dejanira, Leda mit dem Schwan, Jupiter und Ganymed; 
während der den biblischen Gegenständen entsprechende 
Theil desselben Frieses Vögel, vierfüssig-e Thiere, Krieger 
im Kampf mit Ungeheuern enthält 2). 
Es scheint, dass jene verschiedenartigen Scenen nur 
äusserlich neben einander angeordnet sind, ohne auf 
einander bezogen zu sein.  Dass aber heidnische Mo- 
tive mit christlichen in eine innere Verbindung treten 
können, davon hat schon das vierzehnte Jahrhundert Bei- 
spiele gegeben, in denen die erstern einer christlichen 
 Nach einem Abguss im Museum Cluny beschrieben von de 
Guilherm y, in Didron Annal. archöol. T. I. p. 45 sq. 
2) In der Herzogl. Gemischten Kunstsaunml. zu Gotha ist ein Hirsch- 
fängergriih auf dessen einer Seite ein Zug von Meergottheiten 
(Galatea in einer Muschel mit zwei Delphinen fahrend) erscheint, 
Während auf der andern mit der Aufschrift Nuptialis Caen... 
die Hochzeit zu Kanu vorgestellt sein soll (Bube Das Herzogl. 
Kunstkabinet zu Gotha S. 46. n. 157.). Ich kann jedoch dieser 
Deutung der letztern Seene nicht beistimmen: die Figuren sind 
grossentheils nackt, ein nackter Mann giesst aus einem Kruge 
Wasser in einen andern, über welchem ein geflügelter Knabe 
einen Trichter hält,  Christus ist nirgends zu erkennen.
        

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