Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mythologie der christlichen Kunst von der ältesten Zeit bis in's sechzehnte Jahrhundert
Person:
Piper, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1024525
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standen ein, welches seitdem nicht wieder erloschen ist; 
es ist aber im Zunehmen ein Jahrhundert hindurch, in 
welchem ein grosser Kreis antiker und mythologischer 
Stoffe der Kunst angeeignet wurde. 
Diese Erscheinung liegt allerdings auf dem Wege 
der Entwickelung von den Keimen aus, die schon im 
dreizehnten Jahrhundert bemerklich wurden. Doch ist es 
nicht hloss eine neue Stufe des Weges, auf welcher man 
damals ankam; sondern ein Wendepunkt: jener durch- 
greifende Einfluss der antiken Mythologie gehört dem 
Uebergang in die neue Zeit an, die in der Kunst wie in 
der Wissenschaft sich regt. 
Das Mittelalter neigte sich zu seinem Ende. Es hatte 
die Aufgabe gelöst, auf Grund der Kirche das Leben zu 
gestalten: die unmündigen Völker waren von der Kirche 
erzogen; von der Kirche aus und innerhalb derselben 
hatten Wissenschaft und Kunst den weitesten Kreis um- 
schrieben.  Diese Universalherrschaft musste die Kirche 
aufgeben, und es ist die Aufgabe der neuern Zeit ge- 
worden, statt dessen die Herrschaft des Evangelium zu 
sichern, nachdem die Kirche des Mittelalters den Staat 
aus sich entlassen und auch die Wissenschaft sich frei 
gemacht hat.  Diese Freiheit der Wissenschaft, die 
Ueberschreitung jenes Kreises, kündigt seit Anfang des 
funfzehnten Jahrhunderts durch die eifrigen Bestrebungen 
sich an, die klassische Literatur wieder herzustellen. Und 
das Ende des Mittelalters wird nach dieser Seite dadurch 
bezeichnet, dass die ächt menschliche Bildung des Alter- 
thums zur Grundlage der neuern Bildung gemacht wurde. 
Nun aber war im klassischen Alterthum Menschliches 
und Heidnisches durchaus mit einander verschmolzen und 
auch das specifisch Heidnische zeigte noch Spuren gött- 
licher Abkunft. Um so mehr drang auch die Götterfabel 
in die neuere Bildung ein. Da fragt es sich, wie mit
        

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